Ausgangssituation & Finale
Mit Klang der Vergänglichkeit untersuchte An Moku über längere Zeit (ca. elf Monate) hinweg den allmählichen Verfall eines analogen Kassettenbands. Grundlage war der Hertenstein – Audiowalk mit Klang und Lyrik, der in einer Endlosschleife über ein Kassettenabspielgerät wiedergegeben wurde. Das Band lief zunächst in einem geschützten Aussenbereich in Zürich, später auf einem Balkon, und war dort über längere Zeit Temperaturschwankungen, Witterungseinflüssen, technischer Abnutzung und mechanischer Belastung ausgesetzt.
Ziel des Experiments war es, hörbar zu machen, wie sich Klangmaterial durch Zeit, Natur und Technik verändert. Erwartet wurden Verzerrungen, Verlangsamungen, Tonhöhenschwankungen, Rauschen, Ausfälle und eine zunehmende Auflösung des ursprünglichen Audiowalks in eine abstrakte Klanglandschaft. Über die Monate hinweg traten tatsächlich verschiedene klangliche Veränderungen auf: Frequenzverluste, stärkeres Bandrauschen, Tonhöhenschwankungen, Kanalprobleme und technische Unterbrechungen.
Im Verlauf der Testphase zeigte sich nicht nur am Kassettenband, sondern auch an den Tapedecks ein deutlicher Materialverschleiss. Die Geräte waren über Monate hinweg einer ungewöhnlichen Belastung ausgesetzt: durch den Dauerbetrieb, wechselnde Temperaturen, Feuchtigkeit und die mechanische Beanspruchung des Bandtransports. Mehrfach traten technische Probleme auf, Geräte mussten ersetzt oder manuell neu gestartet werden. So wurde auch die Abspieltechnik selbst Teil des Experiments und damit Teil jenes Prozesses, in dem Zeit, Material und äussere Bedingungen ihre Spuren hinterliessen.
Im Dezember endete die Testphase schliesslich unspektakulär: Die Kassette riss, das Tapedeck stoppte, und beim Öffnen des Geräts kam ein Bandsalat zum Vorschein. Ein herausgebrochenes Stück des Kassettengehäuses lag im Inneren des Decks; offenbar waren enorme Kräfte im Spiel gewesen. Aufgrund eines privaten Umzugs innerhalb Zürichs konnte ich die letzte Aufnahme erst Wochen später durchhören. Sie zeigte jedoch nicht den erwarteten dramatischen Zerfall mit gedehnten, verzerrten oder verlangsamten Klängen, sondern vor allem einen schlichten, abrupten Stopp. Gerade diese Nüchternheit wurde Teil der Arbeit: Der Verfall zeigte sich nicht als spektakulärer Zusammenbruch, sondern als leises, endgültiges Aussetzen eines über Monate andauernden Prozesses.
Aus den über Monate entstandenen Aufnahmen wurde anschliessend eine mehrstündige Klangreise (17 Stunden) durch die Zeit zusammengestellt. Sie verdichtet den Prozess der Abnutzung, der technischen Instabilität und der akustischen Veränderung zu einem auditiven Ausdruck von Vergänglichkeit.
Und so schliesst sich der Kreis. Was mit Hertenstein – Audiowalk mit Klang und Lyrik begann, kehrt in Klang der Vergänglichkeit zu derselben Frage zurück: wie sich die Natur ihren Platz zurücknimmt, sofern wir es zulassen…
Viel Vergnügen beim Hören!
Klang der Vergänglichkeit – Audio
Dokumentation:
Phase 1
Phase 2 (Teil 1)
Hertenstein – Audiowalk mit Klang und Lyrik




English Version:
With Klang der Vergänglichkeit, An Moku investigated the gradual decay of an analogue cassette tape over an extended period of time — approximately eleven months. The source material was Hertenstein – Audiowalk with Sound and Poetry, played back in a continuous loop on a cassette deck. At first, the tape ran in a sheltered outdoor area in Zurich, and later on a balcony, where it was exposed over time to fluctuations in temperature, weather conditions, technical wear, and mechanical stress.
The aim of the experiment was to make audible how sound material changes through time, nature, and technology. Distortions, slowdowns, pitch fluctuations, noise, dropouts, and the gradual dissolution of the original audiowalk into an abstract soundscape were all anticipated. Over the months, various sonic changes did indeed emerge: loss of frequencies, increased tape hiss, shifts in pitch, channel problems, and technical interruptions.
During the test phase, significant material wear became apparent not only in the cassette tape itself, but also in the tape decks. The devices were subjected to unusual strain over many months: continuous operation, changing temperatures, humidity, and the mechanical stress of the tape transport. Technical problems occurred several times; devices had to be replaced or restarted manually. In this way, the playback technology itself became part of the experiment — and part of the very process in which time, material, and external conditions left their traces.
In December, the test phase finally came to an unspectacular end: the cassette snapped, the tape deck stopped, and when the device was opened, a tangle of tape came spilling out. A broken piece of the cassette shell was found inside the deck; clearly, considerable forces had been at work. Due to a private move within Zurich, I was only able to listen back to the final recording several weeks later. However, it did not reveal the dramatic collapse I had expected — no stretched, distorted, or slowed-down sounds — but rather a simple, abrupt stop. This very sobriety became part of the work: decay did not appear as a spectacular breakdown, but as a quiet, final suspension of a process that had unfolded over many months.
The recordings gathered over this period were then assembled into a multi-hour sound journey through time — seventeen hours in total. The piece condenses the processes of wear, technical instability, and acoustic transformation into an auditory expression of transience.
And so the circle closes. What began with Hertenstein – Audiowalk mit Klang und Lyrik, a work reflecting on landscape, memory, and the relationship between humans and nature, returns through Klang der Vergänglichkeit to the same question: how nature takes back its place, if we allow it to…
Enjoy listening!
Klang der Vergänglichkeit – Audio
Documentation:
Phase 1
Phase 2 (Teil 1)
Hertenstein – Audiowalk mit Klang und Lyrik
Copyright:
Text, Fotos, Audio – An Moku