All you need is a Reverb!

Yes! Es geht ohne, aber mit ist es einfach aufregender. Der Klang ist «voller». Der Klang steht greifbar im Raum und knistert mit seiner Fahne. Das ist das Reverb. Unverkennbar. Und es ist eigentlich völlig egal was man spielt (Bass, Gitarre, Synth etc.) und wie man es spielt: Ein Reverb machts möglich. Ich habe mich dazu durchgerungen, meine Lieblings-Reverb-Pedale aufzulisten. Alle habe ich gehört. Nicht alle besitze ich. Big Sky und das Space werde ich aus Prinzip nicht auflisten. Es gibt andere wunderschön klingende Geräte, die Beachtung verdienen. Und die bekommen sie auch! Auch wenn diese Beiden die Big Player sind und ich das Space gern hätte. Also, los geht es…

NEUNABER: IMMERSE REVERBERATOR MK II – Die Neuauflage eines modernen Klassikers

Der Immerse Reverberator ist eine Schatzkiste für Hall. Das ist auch mein Reverb of Choice auf dem Bass-Pedalboard! Das Preis-Leistungs-Verhältnis, eine fantastische Shimmer-Engine und Stereokapazitäten haben mitunter diesen kleinen, aber feinen Reverb ausgezeichnet, der sich inzwischen vermehrt auf den Boards dieser Welt antreffen lässt. Nun kann man von Neuauflagen halten was man will – es handelt sich natürlich nicht um ein Prinzip, das einzig und allein in der Welt der Pedale anzutreffen ist. Aber wenn eine Firma schon den Schritt geht und ein Modell überarbeitet und erneut auf den Markt wirft, sollte diese Überarbeitung zumindest ihre Berechtigung haben – ansonsten ist der Verdacht auf Abzocke nicht weit und Käufer des Vorgängermodells haben das Nachsehen. Entweder muss also viel Zeit zwischen den Modellen vergangen sein (was hier nicht der Fall ist) oder die Effekt-Engines sind erheblich verbessert worden oder entscheidende Features, die beim Vorgängermodell gefehlt haben, wurden nachträglich ergänzt. Das alles trifft auch zu und ich empfehle jedem zumindest mal die Neuauflage MKII in Erwägung gezogen zu haben. Ein wunderbares Reverb in einem überraschend leichten, aber soliden Gehäuse! Einsetzbar für Saiteninstrumente und Synths. Mehr mag ich dazu nicht sagen. Jeder soll es für sich selbst entscheiden. Hier ein Beitrag von Antoine Michaud, den ich persönlich schätze, über die Evolution des Effekts.

Link: Neuaber


ELECTRO HARMONIX: CATHEDRAL – Neue Klang(t)räume

Noch nie wurde ich bei einem EHX-Pedal von dessen Verarbeitung enttäuscht. Das soll sich auch beim Cathedral nicht ändern. Ein solides Aluminium-Gehäuse trifft auf die altbewährten EHX-Potis. Da wackelt nichts, sondern sagt nur: «Nimm mich mit auf die Bühne». Das möchte ich hören von einem Bodentreter! Es ist, als ob genau diese Worte zu mir durchgedrungen wären, als ich das Gerät 2013 in New York spontan gekauft habe. In Cairo, vor einem Jahr (2018) kam das Gerät live zum Einsatz und enttäuschte nicht. Keines Weges. Es überzeugte schlicht geradeaus. Ich bespielte die Soundbox der Leaf Audio-Schmiede und holte damit wunderschöne Töne heraus.
Meiner Meinung nach klingt das Reverb eher bassiger als alles andere, das ich gehört habe. Schön, verwaschen, hier und da abstrakt. Wer solch einen Sound schätzt, liegt hier genau richtig.
Das Cathedral ist ein souveränes Multi-Reverb-Pedal, dessen Funktionen durch eine übersichtliche Bedienoberfläche erstaunlich intuitiv zugänglich sind. Der leicht verwaschene Grundsound und die fehlende Möglichkeit einer separaten Modulation werden durch die intelligente Einbindung einer Delay-Engine in die Reverb-Sounds entschuldigt. Hinzu kommt die angenehm realistische Räumlichkeit, gepaart mit einer bemerkenswerten Impuls-Ansprache. Bei Preset-lastigen Liveshows und besonders detailreichen Sounds könnte die Stompbox an ihre Grenzen geraten. Muss aber nicht! Wer Begriffe wie MIDI oder Expression mit «Schnick-Schnack» übersetzt, der dürfte beim Cathedral allerdings kaum etwas vermissen. Mit seiner Einfachheit und Zuverlässigkeit sollte das Electro Harmonix Cathedral-Pedal Keyboarder wie Gitarristen nicht enttäuschen.
Hier ein Track von meiner Liveshow aus dem Jahre 2018. Das Stück “Spatula” ist nichts anderes ist eine einfache Küchen-Spachtel, angebracht an der Soundbox über ein Mischpult im Send/Return mit EHX Memory Man Delay, dem Reverb und Loopern von Boss bespielt mit einem Cello-Bogen. That’s it. Viel Spass beim Zuhören…

Link: Electro Harmonix


ORION EFFEKTE: KAFKA REVERB – Der Parallelwelten-Hall made in Germany

Der Orion Effekte Kafka Reverb wurde laut Hersteller vom «oft unerklärlichen Werk» Franz Kafkas inspiriert. Herausgekommen ist ein Gerät, das den Titel Effektgerät mehr als zu Recht trägt. Parallelwelten-Konzept nennt Orion Effekte das Ganze. Und hier scheinen tatsächlich mehrere Dimensionen aufeinander zu treffen. Sowohl die Lautstärken des Direkt- als auch des Reverb- Signals sind parallel individuell einstellbar. Damit soll ein «unverfänglicher Begleit-Hall» ebenso möglich sein wie der wohl eigentlich angedachte Effekt: «tiefgründige» Hallräume ohne Grenzen. Sowohl Klang als auch Größe des Hallraums können mit zwei Reglern eingestellt werden. Sie sind leicht zu finden, denn sie sind tatsächlich mit «Klang» und «Größe» beschriftet. Mit dem Regler «Reflexion» wird die Länge des Halls bis zur Selbstoszillation eingestellt. Ein Einschleifweg mit Send- und Return-Buchsen ist ebenfalls vorhanden. Damit wird ausschließlich das Hallsignal abgegriffen, das dann zu einem weiteren Effektgerät geschickt werden kann. Durch entsprechende Manipulation dürften hier sehr abgedrehte Halleffekte möglich sein. Alternativ könnte man aber auch mit einem angeschlossenen Volume-Pedal den Hallanteil
dynamisch per Fuß regeln. Orion Effekte verweist außerdem auf die Möglichkeit, an den Return-Eingang einfach ein weiteres Instrument anzuschließen, das dann einfach in den Hall-Anteil des Signals spielt. Das dürfte im Zusammenspiel dann ziemlich abgefahren klingen. Für mich persönlich ist dieses Reverb ein Geschenk des Himmels. I love it! Gegenwärtig warte ich auf die Neuauflage (MKII), die ich indiziert habe.
Die Wahrheit ist, Kafka MKII hätte schon Anfang des Jahres das Licht erblicken sollen. Ich hoffe auf bald und auf Tests mit Synths…
Hier ein Beitrag von Bill, der den Kafka schön darstellt.

Link: Orion Effekte


MERIS: MERCURY7 REVERB – Der Blade Runner

Strymon? Klar, kennen wir alle. Line 6? Logo, kennen wir noch viel mehr und noch viel länger! Prima, dann wissen wir ja nun grundsätzlich Bescheid über die Macher bzw. die Köpfe hinter den Effekten von Meris! Genauer gesagt gründete Terry Burton die Firma Meris, nachdem er zuvor Strymon ins Leben gerufen und ebenso maßgeblich an den Produkten von Line 6 mitgewirkt hatte. Ebenfalls bei Line 6 war auch der zweite Mann im Bunde, der DSP-Programmierer Angelo Mazzocco, beschäftigt. Zusammen mit der Designerin Jinna Kim entwickelt das Trio nun in Los Angeles Effektgeräte der Luxusklasse – und dabei vornehmlich die ausgefallenen Typen. So soll das Meris Mercury7 Reverb die düstere und dunkle Atmosphäre des 1982 erschienenen Kassenschlagers Bladerunner durch unsere Speaker drücken. Und das tut es auch! Dieses Reverb ist der Wahnsinn. Ich selbst besitze es nicht, aber mein geschätzter Kumpan Joel Gilardini, der speziell dieses Reverb auf seinem, letztes Jahr, auf EndTitles erschienen Album «Against Heatwaves» sehr schön eingesetzt hat.
Sicher, Hallpedale mit Pitchshifter-Effekten gibt es etliche auf dem Markt, was Meris allerdings hier an Code in den DSP transferiert haben, ist wahrlich außergewöhnlich und dürfte so manchem Klangreisenden vermutlich die eine oder andere Nacht kosten. Abgesehen von diesen enormen Möglichkeiten der Klangbearbeitung kann man das Meris Mercury7 auch prima als «einfaches» Hallpedal nutzen, denn auch die unverfälschten Hallräume klingen erste Sahne, daran gibt es keinen Zweifel. Wer also ohnehin auf der Suche nach einem edel klingenden Hallpedal ist und jenseits davon auch gerne mal über die Stränge schlägt, sollte sich das Meris Mercury7 Reverb mal in den Amp hängen und dafür viel Zeit mitbringen! Hervorragend für Gitarren und Synths.
Hier ein Track vom Zürcher Ambient-Gitarristen Joel Gilardini. Viel Spass beim Zuhören…

Links: Meris, EndTitles


Die zweite Hälfte meines Beitrages handelt von Favoriten, die ich auf der
To-Buy-Liste stehen habe. Es kommt die Zeit…

AC NOISES: AMA – Reverb, Oscillator + Bit Crusher made in Italy

Es gibt eine wunderbare, recht unscheinbare Effekteschmiede. Ein Pärchen, das sich dem Bau von Tretminen verschrieben hat. AC Noises. Dieses Pedal aus dieser Schmiede ist ein heisse Empfehlung!!! Hier ein Beitrag von Haibach, den ich persönlich schätze und dankbar bin, dass es ihn mit seinen wertvollen Videos gibt.

Link: AC Noises


WALRUS: Slö – Multi Texture Reverb

Das sauber verarbeitete Walrus Audio Slö Multi Texture Reverb ist ein echtes Schmankerl für Freunde atmosphärischer Gitarrensounds und geht weit über die Funktionalität eines Reverb-Pedals hinaus. Die Bedienung gestaltet sich dabei trotz der Doppelbelegung zweier Funktionen sehr einfach, sodass man sich recht intuitiv auf die Suche nach dem passenden Sound begeben kann. Ich habe mich dennoch mehrmals gefragt, wie diese imposanten Sounds wohl in Stereo klingen würden und dann wie dieses Pedal mit einem Synth oder anderen Instrumenten klingt. Vielleicht kommt da ja noch was in näherer Zukunft? Walnuss wäre nicht der einzige Hersteller der ein MKII lanciert…

Link: Walrus


Fazit: Wie bereits oben erwähnt, das Reverb ist ein Muss. Eine Produktion steht und fällt mit und ohne der Lebendigkeit eines Reverbs. Ob als Plug-in oder als Stompbox. Völlig egal. Hauptsache korrekt eingesetzt und das ist wiederum ein Thema, welches sich mit der Frage des Geschmacks befasst. Aber das nicht mehr heute und nicht nächste Woche. Dann geht es weiter mit…

All you need is a Delay!

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