All you need is… Puremagnetik?

Wenn ich an Saturation, Texturen und Artefekte denke, kommt mir die Kassette oder das Band in den Sinn. Das Revival ist seit paar wenigen Jahren allgegenwärtig. HiFi ist in vielen Genres relativ geworden und das lässt Raum. Doch nicht alle können oder wollen sich eine Bandmaschine, 4-Spur-Aufnahmegerät, Diktafon oder einen Walkman zulegen (oder das im Herbst kommende neue Generation Loss MK2 Pedal von Chase Bliss!). Die Handhabung kann schön aber auch aufwendig und die Wartung mühsam sein. Die Geräte sind rar und unter Umständen auch richtig teuer. Und wer mit iPad und den Apps nichts anfangen kann, der greift zum Computer und hilft sich aus und das ohne viel Aufwand.

Prinzipiell endet deine Suche auch hier, denn Puremagnetik deckt ein enormes Feld an Klangerzeugern, Samples und Effekten. Hier findet jeder etwas Passendes und Kleines für sich. Vor allem, wenn es darum geht ein solide programmiertes Plugin zu haben. Micah Frank (New Yorker Musiker, Sound Designer und Produzent) hat hier wahrhaftig eine Inspirationsquelle erschaffen, die Musiker weltweit animiert. Mit meinem Beitrag konzentriere ich mich auf eine Handvoll Plugins von Puremagnetik, die dir bei der Suche nach der gewünschten Saturation, Texturen und Artefekten einer Kassette oder eines Bandes aushelfen werden. Darüber hinaus bist Du mit den von mir aufgeführten Multitrackern/Loopern/Samplern todsicher bereit loszulegen. Bevor wir starten, muss ich anmerken, dass Puremagnetik ein spannendes Plugin auf den Markt gebracht hat. Es heisst «Lore». Da ich es noch nicht ausprobiert habe, führe ich es nicht auf.
Und ganz wichtig, unter Umständen, je nach Alter des Computers, kann die CPU-Auslastung unterschiedlich ausfallen. Ich verwende ein MacBook (15-inch, Mid 2013).

Der Guide

Das ist mein persönlicher Puremagnetik-Plugin-Guide der Musique Concrète, Tape Music und den Microsound auf deinem Computer aufleben lässt. Um das klangliche Spektrum mit all den gebotenen Möglichkeiten zu erweitern, empfehle ich weitere Plugins von Puremagnetik (zB.: Kristall, Fog, Zerone Fathoms, Vanisher etc.). Der Sound lebt von der Verkettung! Viel Spass beim Entdecken…


Small Winters | Granular Splice Multitracker

Small Winters loopt bis zu 12 Sekunden eingehendes Audio, das auf 3 separaten Spuren aufgezeichnet werden kann. Jede Spur kann unabhängige modulierende Loop-Punkte haben, die sich über die Dauer der Aufnahme bewegen und kreative Phrasen und Texturen erzeugen, die auch ein Eigenleben entwickeln können.

Abgesehen von der Aufnahme von Modulationen kann jede Spur in Small Winters in der Tonhöhe angepasst und mit einem Tape-Age-Effekt versehen oder zu einem granularen Effekt mit spektralem Blurring (Unschärfe) geroutet werden. Das Gerät ermöglicht auch Overdubbing auf jeder Spur, so dass mehr als drei Phrasen erstellen werden können, die zudem dynamisch interagieren.

Weitere Informationen hier: Small Winters


Swarm | Particle Diffusion Sampler

Swarm ist ein Sounddesign-Effekt, der von «swarm intelligence» (Schwarmintelligenz) und «particle masses» (Partikelmassen) inspiriert ist, wie sie der Komponist Iannis Xenakis verwendete. Es klont ein Segment einer Probe und fügt diese Mitglieder in eine «Herde» ein, die sich in einheitlicher – manchmal stochastischer – Koordination zerstreut.

Swarm zeichnet sich durch die Erzeugung dichter Pizzicato-Wolken oder spaciger, zufälliger Umgebungen aus. Es ist ein sehr unkonventioneller Effekt mit unvorhersehbaren und oft wundersamen Ergebnissen.

Weitere Informationen hier: Swarm


Weave | Buffer Drone & Space Machine

«Weave – a buffer manipulator, space and soundscape machine inspired by drone and tape music.» Hier muss nicht viel gesagt werden. Der Kauf ist ein No-Brainer.

Weitere Informationen hier: Weave


Strata | Particle Tape Loop Device

Strata ist ein Gerät, das sowohl von Microsound als auch von Bandmusik inspiriert ist. Es ist ein Tape-Loop-Emulator und ein granularer (Partikel-)Prozessor, der alle Arten von eingehendem Audio verzerren, biegen, sezieren und “analog altern” kann.

Strata kann als einfacher Ad-hoc-Buffer-Looper verwendet werden, oder Sie können komplexe Klangskulpturen erstellen, indem Sie es in den “ADD”-Modus versetzen und die Grain-Regler optimieren.

Weitere Informationen hier: Strata


Innervelt | Dark Haze Machine

Innervelt ist eine „Dark Haze Machine“, die eingehendes Audio erfasst und durch eine unkonventionelle Reihenfolge von Effekten verarbeitet. Chebyshev waveshaper distorts the signal as it passes through an algorithmic space. Der Space-Effekt selbst wird durch eine variable Sample-and-Hold-Schaltung moduliert, was subtile bis dramatische swells & pulses im Dry-to-Wet-Verhältnis verursacht. Die gesamte Kette wird dann von einem MIcro-Looper gesampelt, der on-the-fly mit dem Originalsignal gemischt werden kann. Mit dem MEMORY-Regler können zudem Variationen, Stutter-Effekte und neue Phrasen von Ambient-Washes erstellt werden.

Weitere Informationen hier: Innervelt


Replicas | Creative Splice Sampler

Replicas ist ein kreativer Splice-Sampler, der das eingehende Audio mit drei gleichzeitig geloopten Segmenten manipuliert. Wie «Small Winters» nur anders!

Inspiriert von alten Bandspleißtechniken, sampelt Replicas eingehende Signale, formuliert, verzögert und verändert das aufgenommene Material. Damit können komplizierte melodische Muster erstellen, extreme zeitbasierte Effekte hinzugefügt oder vorhandene Phrasen mit subtilen Nuancen erweitert werden können.

Füge Gitarren- und Klavierphrasen Atmosphäre hinzu, zerstöre Beats oder erzeuge dir wiederholende Stottereffekte für Vocals. Replicas ist vor allem zum Experimentieren da. Es kann angenehm unvorhersehbar sein und man weiß nie, was man bekommt!

Weitere Informationen hier: Replicas


Rust | Chromium & Iron Oxide Resonator

Rust ist ein Hybrid aus metallischem Resonator und analogem Vintage-Aging-Effekt. Es kombiniert eine Reihe von Resonanzfiltern zweiter Ordnung, einen physikalisch modellierten «Ball-in-the-Box»-Raum und den analogen Age-Effekt von Puremagnetiks von Driftmaker und Verv. Im Wesentlichen gibt es zwei Signalketten in Reihe: Iron Oxide (Rust) und Chromium (Analog Tape).
Rust kann alles alt und quietschend klingen lassen, abgenutzt mit Wow und Flattern oder völlig in der Zeit verloren (Tipp: Drehen Sie alle Regler auf!). Ein paar Presets sind enthalten, um den Einstieg zu erleichtern, aber Rust sollte wirklich mit dem METAL-Regler an das Eingangs-Audio angepasst werden.

Weitere Informationen hier: Rust


Coil | Artifact Anomaly Generator

Coil ist ein analoger Warping-Effekt, ein Sample-Decimator, Phaser und mehr. Er wurde ursprünglich als Glitch-gesteuerter Verzerrungseffekt entwickelt – ein probabilistisches Gerät, das die Verschlechterung in digitalen und analogen Systemen emuliert. Aufbauend auf diesem Konzept hat Puremagnetik Coil als einfache, unterhaltsame und nützliche Toolbox entwickelt, um dem eingehenden Audio einige willkommene Missfunktionen zu veranstalten. Coil enthält Algorithmen zum Anreichern der Sounds mit Tape Warp, bit and Sample Rate Reduction, Phase Cancellation, Filterung ect.

Weitere Informationen hier: Coil


Balloon | Lo-Fi Modulator

«Everything you do is a Balloon» – Boards of Canada

Balloon ist ein fortschrittlicher Modulationseffekt, der vom Caroline Somersault-Pedal inspiriert wurde. Mit nur wenigen Reglern fungiert es als weiträumiger Chorus, Slap-Back-Delay, Tremolo, Spatializer und ein einzigartiger Echo-Effekt. Verwende es für Gitarre, Stimme und Synthesizer, um ihr Stereospektrum zu erweitern und ihrem Sound ein immer modulierendes Leben zu verleihen. Oder experimentiere mit der Steuerung und erkunde alle klanglichen Möglichkeiten, die Balloon zu bieten hat.

Weitere Informationen hier: Balloon


Bonus

Mimik OD | Pitch & Time Repeater with OD

Mimik OD ist die MK2-Inkarnation des variablen Zeit- und Tonhöhenprozessors von Puremagnetik. Es ist eine Manipulationsmaschine, die helfen soll, mikrosonischen Aspekte zu erforschen. Mimik OD zeichnet eingehendes Audio in einem kurzen Buffer auf, der getweakt werden kann, um Rhythmen und Klänge vollständig zu verändern.

OD steht für „Mystery Overdrive“. Mit der OD-Taste erzeugt Mimik bei jedem Drücken neue Sounds. Es ist eine schnelle und einfache Möglichkeit, neue Nachahmungsmuster des eingehenden Audios zu erzeugen. Der Buffer von Mimik OD kann «abgeschnitten» oder zufällig moduliert werden. Es ermöglicht Pitch-Stretching ohne Änderung der Dauer und Time-Shift ohne Änderung der Tonhöhe. Du kannst fast alles umkehren, zerhacken, einfrieren und neu formulieren. Mimik OD kann für subtile Artikulationsnuancen oder extremere Beat-Verarbeitung verwendet werden. Toll!

Weitere Informationen hier: Mimik


Fragment | Dual Fluctuation Looper

Und zu guter Letzt bringe ich euch Fragment. Fragment ist ein einfaches und unterhaltsames Dual-Looping-Plugin, das entwickelt wurde, um neue, modulierende Fragmente des Eingangsaudios zu erzeugen. Es ist eine schnelle Möglichkeit, einige neue Ideen zu skizzieren und einzigartige Klangphrasen zu formulieren. Vielleicht sogar, von den hier aufgeführten Loopern/Samplern die schnellste und einfachste Möglichkeit On-The-Fly was zu zaubern.

Fragment wurde von meinem individuellem Looper-Pedal inspiriert (basierend auf meinem Patch fürs Zoia-Pedal), welches ich während der gesamten Produktion von «Less» verwendete. Das Gerät kann zwei Loops aufnehmen, sie um 24 Halbtöne nach oben und unten verschieben, modulierende Start-/Endzeiten einstellen und alle diese Parameter mit der Lautstärke fluktuieren. Der «Fragment»-Parameter moduliert alles zufällig, aber langsam, um Wellen und generative Automatisierung zu erzeugen. Fragment ist nicht Clock-gebunden.

Weitere Informationen hier: Fragment

Puremagnetik hat mich nicht gesponsert. Mein Feature kommt von Herzen. Alle vorgestellten Plugins habe ich käuflich erworben.


Quelle: Puremagnetik, Micah Frank

It’s not the gear, it’s the ear!

Well, this is not entirely true. Als ich den Satz vor wenigen Wochen zum ersten Mal las, war ich sehr begeistert. Doch, je mehr ich über die Bedeutung nachdachte, desto mehr stellte ich fest, dass er je nach Kontext nicht ganz den Kern trifft. Denn, werden wir nicht durch Dinge zu dem, was oder wer wir sind? Ich begab mich auf eine Deutungssuche

In wenigen Tagen wird der grossartige Effektgeräte-Hersteller aus den USA ein neues Pedal veröffentlichen. Seit wenigen Tagen sind bisher nur drei Bilder auf Instagram publiziert und hunderte von Spekulationen aufgestellt. Am 17. Mai kommt ein neues Pedal von Meris, heisst es. Ich persönlich kann’s kaum erwarten und rätsle mit Tausenden von Followers, was denn der nächste Geniestreich sein wird. Ganz nebenbei, bin ich überzeugt, dass ich das Produkt so oder so erwerben werde. Meris ist aus meiner Sicht ein absoluter No-Brainer. Neben Empress und Strymon mein absoluter Favorit in Sachen Pedale. Eine Hausnummer in Sounddesign, Qualität und Preis/Leistung. So viel vorab…

Mein lieber Musikkollege aus Deutschland brachte vor wenigen Wochen den Satz «It’s not the gear, it’s the ear!» Diese Aussage schreibt er sich zu als eine Art Reminder an sich selbst. Auf Instagram sah ich dann erneut ein Bild von seinem wahrhaftig teuren Pedalboard (Effektgeräte des State of the Art) samt einem E-Cello. Hellauf war ich begeistert, stellte jedoch fest, dass die Bedeutung nur bedingt aufging. Etwas passte für mich nicht! Aber was und warum?

Denn «Du bist, was Du liest und Du bist, was Du isst» usw. Ganz ehrlich und unter uns: Ja, es sind all die Dinge, es ist das Equipment, das uns grösstenteils zu dem macht, was wir sind oder vorsichtig gesagt wer wir sind. Frage: Ist all das Equipment denn kein Helferchen in allgemeiner Kreation? Geben wir nicht gern Geld dafür aus und zeigen es öffentlich im Internet? Absolut! Das machen wir doch so gern. Wo wären wir denn ohne unser Equipment? Die meisten von uns wären, ganz ehrlich, nicht sehr weit! Selbstverständlich genrebedingt.

So bitter das klingen mag, so ehrlich und geradeaus ist es. Ich persönlich habe meine Spieltechnik seit Jahren vernachlässigt und mich komplett der Produktion verschrieben. Ich bin kein Purist mehr. Zum Einsatz kommen meine kleinen Helferchen unter meinen Händen. Soft- und Hardware ist ein Muss. Aus meiner Sicht ist die technologische Entwicklung fortgeschritten genug, um zu assistieren ohne dabei die komplette musikalische Kontrolle völlig zu übernehmen, auch wenn sie dies könnte. Das musikalische Verständnis muss nach wie vor vorhanden sein. Ein musikalisches Gespür ist von Nöten. Das Ohr ist entwickelt. Der Einsatz von Technik assistiert, kompensiert, erleuchtet.

Der Segen des Fortschritts

Nun, um beim Beispiel mit Meris zu bleiben: Meris entwickelte ihr kommendes Pedal während der letzten zwei Jahre. Die Erwartungen sind bereits gigantisch. Ich selbst kann’s kaum erwarten. In meiner Vorstellung oszilliere ich zwischen diversen Ideen, was dies denn sein könnte. Ich weiss es nicht. Aber es wird toll! Die Technologie erlaubt es inzwischen in ungeahntes Territorium vorzudrängen. Schauen wir allein auf die rasante Entwicklung der letzten zehn Jahre. Es ist und wird sehr, sehr viel möglich. Dazu fehlt mir die Kenntnis, aber ich bin überzeugt, ihr versteht, wohin die Reise geht…

Der Fluch des Fortschritts

Wenn ich darüber nachdenke, wird mir schwindelig. Aus meiner Sicht wird es demnächst, sehr vorsichtig ausgedrückt, «gefährlich». In der ursprünglichen Version des Textes hatte ich hier einiges an Spekulationen aufgeführt, die ich jedoch vorerst für mich behalte. Verallgemeinert gesagt: Das Tempo wird anziehen und die Technik wird stets erschwinglicher, was definitiv Vor- und Nachteile mit sich bringt. Eines der Nachteile ist bereits real. Offensichtlich wird weniger Aufwand beim Musizieren betrieben, die Geschwindigkeit des Produzierens wird immer höher und das alles ohne mögliche Tiefe. Das musikalische Verständnis wird nicht mehr gefragt. Ein musikalisches Gespür ist dann nicht mehr von Nöten. Ein Ohr ist Vergangenheit. Die KI übernimmt. Das ist gegenwärtig schon so und wird nur mehr. Das Tempo wird anziehen. Die Menge wird anziehen. Unumstritten, unausweichlich. Spreche ist hier bereits aus vielen Herzen? Bestimmt!

Ich bin ein Teil des Ganzen

Warum schreibe ich eigentlich darüber? Die Antwort ist sehr einfach. Ich selbst drifte immer wieder von meinen Grundsätzen ab. Nehme mir selbst weniger Zeit für alles. Always on the run. Dieses Phänomen geht sicherlich mit dem Naturell des Daily Jobs Hand in Hand. Aber selbst das ist nicht die Antwort auf alles, denn wir lassen etwas mit uns machen. Ein simples Beispiel zum Thema Tempo und Menge: Neulich sass ich im Bus und vor mir eine recht junge Dame mit ihrem Smartphone hantierend auf Spotify. Das Hinhören sah ungefähr so aus, dass sie jeden Song der Playlist 5-10 Sekunden ancheckte, um bis zur Mitte vorzuswipen und nach weiteren Sekunden den Track als gut oder schlecht abzutun. Ich dachte mir nur: «Shit, unter einer Minute, da kommt ja bei mir noch nicht mal der erste Ton, haha!» Wie soll man hier generell urteilen, wenn wir uns keine Zeit allein für ein simples Hinhören nehmen?! Auf der anderen Seite, wie können wir wiederum den riesigen Schwall an Input überwältigen? Mögliche Ansätze soll es geben. Ich habe keine Lösungen parat. Fakt ist, jeder gehört dazu.

«It’s not the gear, it’s the ear!» – Hier bleiben wir puristisch, spielen das klassische Instrument und begeistern mit dem natürlichen Klang und der Spieltechnik. Ausschliesslich. In meiner Welt der experimentellen und elektronischen Musik kaufen wir Dinge und lobpreisen sie. Böse gesagt, müsste der Leitsatz angepasst heissen: «It’s not the ear, it’s the gear!» – Aber auch das trifft nicht ganz den Kern.

Ich hoffe, mein lieber Musikkollege kündigt mir nicht die Freundschaft…


Bildquelle: Google

Fromaroom Sessions: Exploring discontinued and obsolete reverb units

Let us talk Ambient and let us explore. Shall we?! 

It is finished! This is the six tune session using my old school rack reverb units from the 80’s and 90’s. You listened to the same long meditative sequences with different sounding reverb units during the last days on Bandcamp and hopefully enjoyed what you have discovered… Just for the record if I can get my hands on another old reverb unit I’ll let you know. The recording of it will be added to this session… 

Please note that each reverb algorithm has its own mojo and flavour and I have not recreated the same sound for all units. You hear what I liked at the very moment. And for the record, «Of shadows and light» is my final track (read and listen below). Here we go…

Alesis Midiverb (1986)

This is Midiverb sounding. You are hearing the Digitone by Elektron playing a few notes constantly and generatevely feeded into the Midiverb. Preset: 50 (20sec, Dark & Large), 75% wet. Into the Oto Machines Boum into H5 (line in). The only thing I did to this recording was adding a bit of EQ by Kush. Not too much. You need to hear the unit.

Midiverb, a surprisingly good sounding 16-bit reverb. Manufactured in 1986 by Alesis, it was introduced as the world’s first mainstream 16-bit digital reverb. And the first of the Alesis series, followed by the notable Midiverb II (used in the past by Boards of Canada, Aphex Twin), QudraVerb (currently by Hainbach) and the Nanoverb (currently by GusGus). Yes, the midiverb is a bit noisy but offers nice lofi and mojo, which I think is trumped by my favorite Midiverb II. If you can get your hands on these Alesis Reverb units, do so. Thanks Stan Pete for fixing the unit (by the way).


Alesis Midiverb 2 (1987)

This devil in 19-inch clothing comes from the people who brought you the MIDIVERB and Microverb, two outstanding products in a market where the words ‘cheap’ and ‘quality’ are rarely mentioned in the same sentence, let alone about the same product. It’s the sign of a smart company when, instead of building a reputation on a couple of products and then sitting back for a round of applause, they proceed to make something better and cheaper than ever before.

Lurking on the PCB inside the MIDIVERB II is a 16-bit linear PCM convertor, running in a RISC environment with a custom-built VLSI chip (clocked at a snappy 8MHz) which, unless you’ve got ears like a bat, is as clean as you’re likely to need, buddy. Seriously though, although anything you can’t hear won’t hurt you, having as little as 0.1% distortion isn’t bad, and it gives you that ultra-clean, digital sound that people love so well. Some other interesting spec is: this unit used to be used by Boards of Canada and Apex Twin.

There are 99 preset effects supplied (plus defeat), featuring 29 very natural sounding reverbs, 10 gated reverbs, 10 reverse reverbs, 20 echoes, 10 flanges, 10 choruses and 10 miscellaneous effects. That’s a lot of stuff, and it’s all as easy to use as the remote control on your video. Okay, so you can’t alter any of the programs, stepping the reverb up and down in infinitessimal graduations… but there are more different room sizes than you’ll ever really use here, so who needs to, hmm?

The dynamic range, a statistic so frequently bandied about by audio salespersons, is a whopping 85dB. Right, so much for the physics of the situation, how does it sound?

This is the Midiverb 2 sounding. On the foto it is the 2nd in the row. You are hearing the Digitone by Elektron playing a few notes constantly and generatevely feeded into the MV2. I have used the preset number 29 at ca. 45-50% wet, XLarge Warm (15sec.). Midiverb2 into the Oto Machines Boum into H5 (line in). The only thing I did to this recording was adding a bit of EQ by Kush. Not too much. You need to hear the unit. I think the MV2 sounds beautiful. It offers a lovely, lovely lofi and mojo. I love it. 


Lexicon LXP​-​1 (1988)

There can be few effects devices around as prestigious and as desirable as those made by Lexicon. Now, with the release in 1988 of the LXP1 16-bit processor, the classic Lexicon sound became truly affordable.

This is the LXP-1 sounding. On the foto it is the 3rd in the row. You are hearing the Digitone by Elektron playing a few notes constantly and generatevely feeded into the Lexicon. I have used the Plate D preset at ca. 45-50% wet, decay at maximum (6sec.) and Delay at maximum as well (246ms). You might hear it bounce a little. Reverb into the Oto Machines Boum into H5 (line in). The only thing I did to this recording was adding a bit of EQ by Kush. Not too much. You need to hear the unit. I think the low-mids are beautiful. The LXP-1 offers a lovely lofi and mojo. I love it. 


Alesis Quadraverb (1989)

The Alesis Quadraverb is a 16 bit programmable stereo effects box processor utilizing four digital effects, originally released in 1989. This rack mount unit is arguably better for electric instruments like guitar, being a product of the late 80’s and early 90’s.

This effects unit and many effects units like it can be heard all over rock, metal and alternative rock records from the 90’s. It really gives electric guitars that 90’s sound. For the people familiar with the sound, it will become recognizable almost instantly when you hear it.
This rack was used as reverb on lots of classic hip-hop and boom bap records from the early 90’s. It was a definite go-to for reverb for a lot of hip-hop producers using machines like the SP 1200 and the Akai S950. Ask anyone who knows and they will look at you funny if you mention the SP 1200 + S950 + Quadraverb when talking about drums. Part of one of the formulas for snares that knock.
Alesis reverb effects processors can also be heard a lot on 90’s trance and dancehall music as well. For the vintage factor alone, the uses to this day are fairly obvious for those who are after a certain sound. A vintage unit will never be out of play… As long as people value the sounds from the past these machines will always hold some value.

Many love the Alesis Quadraverb for the countless options and tweaks that you can play with due to the programming. Like many of its counterparts of the time, this rack mount box will take on full MIDI capabilities widening the range of use from studio to stage. As far as vocal effects go, there are a lot better options to go with for mixing plugins and applications.
The Quadraverb is an analog piece of music equipment and does not exist in digital VST form. I would recommend finding the real thing if you are trying to recreate that sound because it’s never been cheaper to do so. However, the ValhallaRoom is a very, very good VST to check out that can produce similar reverb without the metallic drawbacks of the Quadraverb.

This is the Quadraverb sounding. On the foto it is the 1st in the row. My Quadraverb is made in 1992. Could be one of the last units… You are hearing the Digitone by Elektron playing a few notes constantly and generatevely feeded into the QV. I have used the Taj Mahal preset at ca. 48% wet. I have been curious about this preset since Hainbach speaks a lot about it. For the record, I have bought this unit last year from a Balkan Beats producer here in Zürich and did not change anything on it except repairing the LED-screen (Thx Joel for that). So, I really do not have a clue until now what this unit is really capable of! Simply because it’s not my «to go for» reverb device… But who knows… Alright, let’s move on, reverb into the Oto Machines Boom in H5 (Line In). The only thing I did to this recording was adding a bit of EQ by Kush. Not too much. You need to hear the unit. Yes, the Quadraverb is a bit noisy but offers nice lofi and nostalgia mentioned above. Sorry for the clipped tones here and there. I just didn’t notice it during the recording session 🤷‍♂️. If you can get your hands on this reverb unit, do so!


Zoom 9030 (1991)

Zoom introduced the 9030 with a 16-bit processor as a smaller version of the 9010 multi effects processor. Although the Zoom 9030 is easy to use and the effects easy to edit, you still have to wonder if the effects are any good. After all, this is a fairly cheap unit compared with the mighty Zoom 9010 which was sold for over a grand back in the 90’s. Before I make any comments I have to stress that assessing any effects unit is a very subjective matter and you must try out the unit and make your own judgments. As usual. There is no doubt that all effects processors are built of a good quality and the effects have their own mojo, but whether they suit your needs is something only you can decide. That’s how it is with the Zoom products and in general. Well, my very first effects pedal was a Zoom BFX-708 bass effects processor that I bought in 1998. It was a heck of a lot of money for me, but it paid off and served me well. Still works by the way. That piece of plastic. I used it especially during my 1999-2001 support shows for Whitney Huston, Marla Glen or Joe Cocker (as the dedicated bass player for the opening acts. How time flies! This was more than 20 years ago!!! Please excuse my digression…). All in all, the 9030 used to be used by Trent Raznor. Well, you might say, this is the famous effects processor that provided the distortion for the Nine Inch Nails albums Broken and The Downwards Spiral. The unit supports up to 99 patches and has a wide range of effects from various distortions to wah, pitch, flange and much more. But I went here for the longest Reverb patch available…

This is the Zoom 9030 sounding. As usual, you are hearing the Digitone by Elektron playing a few notes constantly and generatevely feeded into the 9030. I have used the Cathedral preset at 41% wet, 7.7 sec., Pre-delay 230msec. The 9030 into the Oto Machines Boum into H5 (line in). The only thing I did to this recording was adding a bit of EQ by Kush. Not too much. You need to hear the unit. I think the 9030 sounds very noisy and digital. Very! Well, if you like it offers a lofi-lofi and digi-mojo. Sounds interesting! In a way… But I would not use this reverb for sound design…


Yamaha A3000 (1997)

The Yamaha A3000 is a professional hardware sampler released by the company in 1997. Back then the company was barely known for sampling, so the release of the A3000 was an unexpected one. The goal of Yamaha with the A3000 was to make a break-beat machine and phrase sampler that could be used for a wide variety of recording as well as performance applications.
Although the A3000 is a capable machine, it is one that takes a lot of time and dedication to master. Right out of the box you are faced with an almost 400 page manual to introduce you to all the features and functions of the A3000. Although the A3000 only shipped with 2 megabytes of memory, it can accept expansion memory in the form of single in-line memory modules up to a maximum of 128MB. The A3000 handles sample processing with three independent effects blocks that can handle all the usual delay, reverb and chorus style effects. Everything recorded to floppy disks. This unit was used extensively by Junkie XL. This unit was used extensively by Junkie XL. He loves the bass sounds on the A3000. I explored the side of the reverb and did not sample anything…

This is the A3000 sounding. As usual, you are hearing the Digitone by Elektron playing a few notes constantly and generatevely feeded into the 9030. I have used the Canyon preset at even D=W. The manual says I am able to go up to 30sec reverb time but to be honest I failed reading the manual! So the reverb time is long. The A3000 into the Oto Machines Boum into H5 (line in). The only thing I did to this recording was adding a bit of EQ by Kush. Not too much. You need to hear the unit. I think the A3000 sounds noisy and digital. Sorry for the clipped tones here and there. I just didn’t notice it during the recording session 🤷‍♂️. Well, if you like it offers an interesting lofi and digi-mojo as well as the Zoom 9030. Sounds interesting but I would not use this unit for its reverb sound.


Of shadows and light

This is the last piece of the session using my old school rack reverb units from the 80’s and 90’s. You have listened to long meditative sequences in which various reverb units sounded. «Of shadows and light» is the finale of it. You will now hear the sequence of Midiverb and Lexicon reverb superimposed. Did not change a thing. Added a bit of saturation only. Very beautiful sounding! 

Start your day or just close your eyes. 
Good morning, good night.

Music by me 
Cover Art by Sana Vahdati  
instagram.com/sanavahdatii

All you need is… Sounds for your ears! – Pt. 5

Gutes Neues ihr Lieben! Ein kleines Special für euch zum Jahresanfang. Eine Handvoll spannende Künstler. Persönliche Empfehlungen. Wie immer sieben an der Zahl.

Der Rahmen: «Sounds for your ears!» bringt vor allem kurze Empfehlungen über neue aber auch vergangene Veröffentlichungen auf Bandcamp. Die Anzahl pro Episode ist auf eine runde sieben beschränkt. Ich führe nur auf, was mir persönlich gefällt.

Sounds for your ears! – New Year’s Edition

Ab jetzt gibt es Geschenke stets zuerst! Und zwar gleich zwei: Stefan Schmidt’s «arc​/​hive a [piano]» gibt es als Free Download und Naresh Ran’s Dio Drone Xmas Mixtape. Dieses ist bis zum 6ten Januar frei erhältlich. Also los und nicht vergessen, schön im Dunkeln hören. Viel Vergnügen!


Wie beim letzten Mal, Zucker zuerst und jetzt kommen nur noch Peitschen! Den Beginn macht der italienische Musiker Angelo Guido aka meanwhile.in.texas. Er ist der Einzige dieser Edition des «Sound for your ears», mit dem ich noch nicht das Vergnügen hatte etwas zu kreieren (aber es kommt…)
Sein wunderbares Album «Heimat» eröffnet das neue Jahr leicht verrauscht und genau richtig…

https://www.instagram.com/meanwhileintexas/


Stijn Hüwels aus Belgien ist wohl der entspannteste Musiker, den ich kenne. Immer wieder eine Freude seine Gitarrenklänge zu hören (siehe auch Silent Vigils). Wir entspannen zum wunderschönen «When the night ends» und erwachen ganz langsam…

Bandcamp


Pablo Ortega ist ein spanischer Musiker aus Deutschland. Sein Instrument ist Cello. Dieses kombiniert er mit analogen Synthesizern. Ich liebs und freue mich sehr, dass der frisch gewordene Papa nun wieder Zeit für Veröffentlichungen findet. Hier seine neuste EP: ReWind.

pablo-ortega.com


Der englische Musiker James Murray, ebenfalls bekannt durch die Labelarbeit für sein Slowcraft Records oder mit Ian Hawgood fürs Slow Reels, brachte 2020 zusammen mit dem Pianisten Mike Lazarev ein wunderschönes, stilles Album heraus: «Suññatā». Einfach zurücklehnen und geniessen…

http://www.jamesmurray.info


Wir halten kurz in der aufsteigenden polnischen Ambient-Szene und hören Grzegorz Bojanek, der dort zu der neuen Pioniers-Garde gehört. Mit ETALABEL schuf er einst ein kleines Zuhause für Nischen. Jetzt konzentriert er sich auf seine musikalischen Landschaften. Geniessen wir seine Single: «Forever Trees»…

Bandcamp


Wie Chihei Hatakeyama gehört der Japaner Michiru Aoyama zu der entspannten Garde. Erstellt Michiru gerade keine klanglichen Luftschlösser, so betreibt sein kleines Label bullflat 3.8 . Wir hören «好きは透明 (Clear And Restful)» vom Album «暖かな季節 (Warm Season) – OI013».

https://www.aoyamamichiru.net


Den Schlussstrich ziehen heute zwei schottische Experimental-Klangkünstler aus Glasgow: silo portem. Sonic soup for the mind im wahrsten Sinne des Wortes. Angenehme Träume im Dunkeln mit dem Opener ihres aktuellen Albums: «LC-20»…

https://siloportem.bandcamp.com/music

Guten Start ins neue Jahr und Prost!

All you need is… Sounds for your ears! – Pt. 4

Ein kleines Special für die Vor-Weihnachtszeit. Eine Handvoll spannende Künstler. Ein gemütlicher Abend. Kurze Geschichten. Meine persönlichen Geschichten, Empfehlungen. Wie immer sieben an der Zahl.

Der Rahmen: «Sounds for your ears!» bringt vor allem kurze Empfehlungen über neue aber auch vergangene Veröffentlichungen auf Bandcamp. Die Anzahl pro Episode ist auf eine runde sieben beschränkt. Ich führe nur auf, was mir persönlich gefällt.

Sounds for your ears! – Xmas

Wir beginnen mit dem Give-Away-Geschenk ausnahmsweise zuerst: Joel Gilardini, den ich beim letzten Mal vorgestellt habe, verschenkt 10x «Tales of Forsakenness», erschienen auf EndTitles. Nicht vergessen, falls ihr bereits ein Bandcamp-Konto habt, beim Download «Add to my collection» anklicken. Viel Vergnügen!

www.bandcamp.com/yum

xl8u-x9z4
hpkd-j8km
473p-k2z6
qwxg-glkk
9sey-3jg9
y47n-hkrz
yewl-vyh6
t6hj-krgy
tz4r-g4kr
typd-3mtl


So, Zucker zuerst und jetzt kommen nur noch Peitschen! Den Beginn macht mein lieber Freund und Partner in Crime, Stefan Schmidt aus Baden Baden. Wir kennen uns seit Jahren… und während «Zwischenraum» (der Nachfolger für unser Album «Raum») seit dem Frühling in der Warteschleife steckt, planen wir langsam einen Abschluss für diese Trilogie. Doch zurück zu Stefan, ich hatte es wirklich nicht leicht ein Album seines Repertoires hervorzuheben, denn Stefan arbeitet sehr vielfältig (und) experimentell. Ich entschied mich jedoch für «arc​/​hive a [piano]»!

musicforoverexposedcelluloid.com


Tamas Zsiros ist ein ungarischer Musiker aus Schweden. Sein Mastering begleitet mich seit meinem ersten Album. Zuletzt auf «Raum« und folgendem «Zwischenraum». Er hat einen spannenden Sound. Ich lieb’s und freue mich sehr, dass Tamas trotz Familie und forderndem Job immer wieder Zeit für Veröffentlichungen findet. Hier sein neustes Album: The Peripheral, «inspired by the 2014 William Gibson novel “The Periphery”. I read this one when it came out and was one of those books that had a really profound impact on me, both emotionally and intellectually. I think it really changed how I observe and interpret technology evolution in the context of society.» – Tamas.

Bandcamp


Wenn nicht gerade musikalisch schaffend, unterrichtet Tilman Ehrhorn als Professor Sound Design an der Berliner Hochschule für Künste. Unsere Wege hätten sich sicherlich niemals gekreuzt, hätte mich Tilman nicht kontaktiert. So verbrachte ich meine Ferien in Irland, anstelle von Aufnahmen des geplanten «Less»-Nachfolgers für das New Yorker Label Puremagnetik, unerwartet mit der Fertigstellung des Albums «Microdemystification» und mit Tilmans Demo, von dem ich sehr begeistert war. Paar Monate später und «Sfaira» erscheint kommenden Februar auf meinem Label EndTitles unter Tilmans Künstlernamen: Werken. Die gemeinsame Single zum Albumtitel erscheint bereits am 7ten Januar 22. Ich freue mich drauf! Vorerst ein Track vom 2011er Album «Past Utopia».

tilmanehrhorn.com


Naresh Ran aus Florenz lernte ich über einen gemeinsamen Freund kennen. Wir planten etwas musikalisch zu machen bis Corona kam. Eine erneute Gelegenheit erwies sich, als ich «Microdemystification» fertig gestellt hatte und das Album an ihn mit der Anmerkung verschickte: «Naresh, ich habe das was, das passen könnte.» Naresh stimmte zu und schlug ein Release auf seinem Label Dio Drone vor. Ich prostete ihm aus der irischen Ferne symbolisch zu und trank darauf Whiskey. Ihr merkt, Irland ist dieses Jahr in jeder Hinsicht wichtig für mich gewesen… Wenn Naresh, der sympathisch von sich selbst sagt, er sei kein Musiker, mit seiner Zwei-Mann-Band Hate & Merda gerade mal nicht unterwegs ist, so erstellt er wunderbar düstere Klang-Luftschlösser. So auch demnächst live in Zürich, voraussichtlich in Mai ’22…

nareshran.bandcamp.com


Benjamin Fay aka benfay aus Bern lernte ich wie Tilman Ehrhorn zufällig kennen. So erfuhr ich, dass Ben nicht nur elektronischer Musiker und Produzent ist, sondern auch professionell Mixing und Mastering betreibt. Als ich sein Home-Studio betrat, wusste ich, ok Ben, ich schicke dir was! Und so hört ihr Bens wundervolles Mastering auf dem Album «Microdemystification». Weitere Zusammenarbeit ist geplant… Manches ergibt sich eben spontan und währt. Hier hört ihr benfays neuste Single: New Voice!

benfay.com


Kommen wir zu dem vielleicht schönsten Release des Jahres: «Remebering the Sea» von Boris Salchow. Das Album ist auf dem Label meiner Wahl erschienen, Puremagnetik. Hier möchte ich meine Achtung für Micahs unermüdliche Arbeit als Label-Boss, Musiker und vor allem Designer aussprechen. Doch zurück zu Boris, (ich kann nur empfehlen), lehnt euch zurück und geniesst diese sagenhaften Klangkollagen. Hoffentlich schneit es dann währenddessen draussen…

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Den Abschluss macht Uwe Zahn aka Arovane. Ihn brauche ich hier nicht mehr vorzustellen. Wer meinem Blog folgt, kennt meine Bewunderung für sein Schaffen. Ich danke vom Herzen für dein Mentorat, Uwe. «Reihen» ist frisch auf 12k erschienen. Aus meiner Sicht ein möglicher Abschluss einer Trilogie, die zuvor auf Puremagnetik mit «Gestalt» und «Wirkung» begann. Aber beim lieben Uwe weiss man es ja nie…

arovane.bandcamp.com
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Fröhliche Weihnachten und Merry X-Mas :-)

All you need is… Tinnitus? Not really!

«Tinnitus is like Fight Club. Don’t talk about it. The moment someone asks you notice it 10x more!» Ich kenne recht viele Menschen, die Tinnitus kennen. Nicht nur aus der Musik- oder Gastro-Branche. Der Alltag ist bestimmt, denn Tinnitus ist ein krasser, schmerzhafter Dauergast. Bestenfalls ein Wiederholungstäter, den ich auch niemandem wünsche. Doch was ist Tinnitus und wo kommt er hier und wie geht er wieder weg? Viele Fragen, eine Handvoll Antworten und paar mögliche Ansätze. Tauchen wir ein…

Als ich am 25. November den Nachmittag während einer Infoveranstaltung an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) verbrachte, passierte etwas! Ich spürte wie der Gehörgang am rechten Ohr merklich anschwoll und sich irgendwie verengte. Und ich hörte einen lauten Ton. Laut! Kein Wunder, dass ich innerlich Panik bekam und ständig an meinem Ohr herumdrückte. Der Tag darauf und danach war begleitet von «leichtem» Schwindel. Die beiden Nächte sehr kurz. Da ich selbstständiger Gastronom bin, das Wochenende bei uns geschäftlich ein Muss ist und bis zum nächsten Donnerstag weitere geschäftige Tage folgten, war es mir nicht möglich einen Arzt aufzusuchen. Eigentlich fatal, doch ich entspannte, als am dritten Tag gegen Abend der laute Ton, der bei mir als das berühmte «Hohe C» erklang, abflachte und folglich mit der Zeit abschwächte. Ich kontaktierte meinen Musikerkollegen aus Berlin, Tilman Ehrhorn (Professor for Music Design, Music Theory and Ear Training) mit dem ich im Sommer zwei Tracks für sein, im Winter 2022 kommendes Album produzierte und er erklärte mir sein Szenario:

«Ich selbst habe / hatte ca. 1-2 mal pro Jahr einen Tiefton-Tinnitus, der sich in der Anfangsphase oft durch leises unregelmäßig auftretendes Brummen bemerkbar macht und manchmal über 1-2 Wochen stärker zu werden und um schließlich als gar nicht mal so leiser Dauerton bestehen zu bleiben. Hierbei führten dann jegliche akustische Informationen/Strapazen an das Ohr zu erhöhtem Brummpegel. Nach ein paar Wochen war es dann wieder weg. Seltsamerweise gibt es kein Brummen, wenn ich einen Ohrstöpsel trage; fast so, als ob das Trommelfell von innen resoniert und wen man was gegen hält, aufhört zu brummen. Eigentlich kommt der Tinnitus ja aber eher vom Innenohr als vom Mittelohr, weshalb der HNO-Arzt auch eher mit leerem Blick durch einen durchguckt, wenn man versucht zu erklären, in welcher Form es auftritt ;)
Ich glaube, dass es bei mir eher mit irgendwelchen Durchblutungsgeschichten, die vom Nacken/Rücken kommen zu tun haben könnte — ein Arzt meinte auch, Zähneknirschen in der Nacht könnte es begünstigen. Ich hatte schon mehrmals den Effekt, dass es nach 1-2 mal Schwimmen gehen komplett weg war und dann auch erstmal nicht wiederkam. 

Ich würde ansonsten ruhig mal zum Arzt gehen, u.a. einen Hörtest machen; auch um auszuschießen, dass es ein richtiger Hörsturz ist. Den bekommt man in der Regel ja auch wieder weg, aber es ist schon ganz gut, das Ganze ein wenig einzugrenzen. Interessanter Weise ist in meinem Fall noch kein Tinnitus oder gar Hörsturz durch akuten Stress aufgetaucht (was es ja häufig gibt), sondern jeweils relativ unverhofft.»

Somit leidet Tilman an einem Brummen, während ich ein «Hohes C» höre. Genau vor einem Jahr war ich bei einer Ohrenärztin, machte einen Hörtest und erklärte ihr, meine Ohren schmerzen und ich höre ein Rauschen. Das Rauschen diagnostizierte sie tatsächlich als Durchblutungsgeschichten, vor allem während der Winterzeit, wenn Menschen sich vermehrt in warmen Innenräumen aufhalten und folglich vermehrt kräftig in Taschentücher blasen. Das ist eine der meisten Ursachen neben Lärm und Stress. Das Blut rauscht vorbei und wir hören es merklich strömen. Aber die Ärztin diagnostizierte auch eine Kiefermuskelverspannung, an der ich seit Jahren leide. Beides wirkte auf mein Trommelfell ein und ich musste was unternehmen. Das Rauschen liess tatsächlich mit der Zeit nach. Ich behandelte damals mein errötetes Trommelfell mit pflanzlichen Medikamenten.

Bisher war mein «Tinnitus» ein Kommen und Gehen mit gelegentlichen Schmerzen im Innenohr. Auch hörte ich oft die Heizkörper rauschen, die Rohre pfeifen oder die Baustellen vor meiner Haustür und bildete mir ein, es sei Tinnitus (Das kommt davon, wenn man Altbau liebt und in einem urbanen Viertel lebt). Ich begann nachzuforschen und stellte fest, dass das Geräusch im Ohr sich tatsächlich unterschiedlich manifestieren kann: Als Piepen, Rauschen oder Brummen oder kombiniert. In der Nacht auf den 26. November gingen mir sehr viele Gedanken durch den Kopf während mein rechtes Ohr laut vor sich hin sang. Dies war jedoch keine Einbildung. Ich verkrampfte mich nur noch mehr und die Nacht fiel recht kurz aus. Was wenn ich meine Musik aufgeben muss?

Kurze Runde: F&A

Wie laut ist ein Tinnitus? Messungen haben ergeben, dass die Tinnitus-Geräusche etwa 5–10 Dezibel (dB) laut sind. Das entspricht in etwa der Lautstärke von raschelnden Blättern, des Atems oder des Tickens einer Uhr. Die Tatsache, dass dieser Lärm auf Dauer nicht besonders angenehm ist, kann auch jeder verstehen, der nicht unter der Ohrerkrankung Tinnitus leidet. Denn wer hat folgende Situation nicht schon einmal erlebt: Man möchte schlafen oder wieder einschlafen, aber das Ticken der Uhr an der Wand treibt einen in den Wahnsinn. Das eigentlich gar nicht so laute Ticken wird so unerträglich wie der Lärm der Großbaustelle von nebenan. Am nächsten Tag fühlt man sich dann extrem unausgeruht. Jetzt stell dir vor, das wäre jede Nacht so —  dann weisst du, wie es einem Menschen mit Tinnitus geht.

Doch was kann ein Tinnitus generell auslösen? Ursachen: z.B. Schwerhörigkeit, Lärm- oder Knalltrauma (bei Soldaten), Hörsturz, Mittelohrentzündung, Otosklerose, Tumoren, Trommelfellperforation, Morbus Menière, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Medikamente, Stress und emotionale Belastung. Selbst ein Vitaminmangel kann den Tinnitus hervorrufen. Eisenmangel hat zur Folge, dass weniger Sauerstoff im Blut transportiert wird. Dies kann zu Tinnitus führen. Beim idiopathischen Tinnitus bleibt die Ursache unklar (Von einem primären oder idiopathischen Tinnitus spricht man, wenn keine genaue Ursache feststellbar ist. Ein sekundärer Tinnitus hat eine eindeutige Ursache, wie zum Beispiel ein geplatztes Trommelfell oder eine Gefäßerkrankung).

Wie geht ein Tinnitus wieder weg? Bei der überwiegenden Zahl von Tinnitus-Betroffenen verschwindet der Tinnitus auch ohne Therapie innerhalb weniger Tage, Wochen oder Monate wieder. Wenn gleichzeitig mit dem Tinnitus ein plötzlicher Hörverlust auftritt, dessen Ursache nicht ersichtlich ist, spricht man von einem «Hörsturz».

Wie lange dauert es bis ein Tinnitus weg geht? Manchmal tritt ein Tinnitus auch ganz ohne erkennbaren Grund auf – dann dauert er normalerweise nicht länger als eine Minute. Bei manchen Menschen halten die Ohrgeräusche aber über längere Zeit an. Wenn sie länger als drei Monate bestehen bleiben, spricht man von einem chronischen Tinnitus.

Kann Tinnitus von alleine weggehen? In 80 Prozent der Fälle geht der akute Tinnitus durch Behandlungen der jeweiligen Ursachen oder auch von alleine wieder weg. Das Ohrgeräusch kann also wieder völlig abklingen, es kann aber auch bleiben.

Wie besiege ich den Tinnitus? Den Tinnitus besiegen ist nur gentherapeutisch möglich – und das ist noch Zukunftsmusik. Es gibt aber Therapien, die eine Linderung versprechen. Es ist ein Klingeln, Piepen oder Rauschen, das sich etwa durch eine Entzündung, nach einem Hörsturz oder zu viel Lärm einschleicht.

Hier eine gute Webpage zum Thema rundum Tinnitus und Behandlung:
www.liebscher-bracht.com/schmerzlexikon/tinnitus/

Achtung, ich habe hier ein Audiobeispiel aufgeführt. Ich persönlich praktiziere solche Therapien nicht. Meine Medizin ist eher die Ruhe und Stille.

FAZIT: So, heute (11 Tage später) verzeichnet mein linkes Ohr ein Rauschen und das Rechte ein leises «Hohes C», sobald ich das Ohr zuhalte. Das Piepen hat an Lautstärke enorm nachgelassen. Dieser Umstand hat mir psychisch sehr viel an Lebensqualität zurückgeschenkt. Auch vielleicht durch die Meditation, die ich wieder aufgegriffen habe als mein Morgenritual. Ich gebe auf meine Ohren recht Acht und schütze diese stets. Keine Live-Veranstaltung ohne Schutz. Die Produktion erfolgt über halb-offene Kopfhörer. Hier versuche ich einen Rhythmus von 30-45min zu halten, um danach kurz zu ruhen. Also muss der Tinnitus etwas mit meinem Lifestyle und wie ich mit dem Alltag umgehe, zu tun haben. Ich denke, alle Heilungsansätze sind gut und weisen in die richtige Richtung. Fakt ist, es gibt keine medizinischen Generell-Lösungen bis heute. Der Fall «Franzi» aus dem Welt der Wunder-Video ging mir recht nahe. Ich wünsche niemandem diese, von ihr beschriebene Tinnitus-Intensität samt dem Verlust an Lebensqualität.

Ich verspreche mir, mich nicht verrückt zu machen und verspreche, verspätet und doch zeitnah, meine Ohrenärztin aufzusuchen und vor allem mit Musik weiter zu machen. Einfach alles im Masse. Versprochen. Und um nochmals Tilman Ehrhorn zu zitieren: «Ignoranz ist vermutlich der beste Tipp überhaupt; macht bloß gerade am Anfang nicht so viel Hoffnung…» In dem Sinne, alles wird mit der Zeit gut ;-)

Als Nächstes: All you need is… a VCR?


Quelle: Tilman Ehrhorn, Liebscher-Bracht, Youtube, Google

All you need is… a Pedalboard?

Ich bin ein grosser Fan der Übersicht und Ordnung am Arbeitsplatz. Vielleicht kommt dieser Ansatz bei mir aus der Gastronomie oder meiner Jahre in Marketing aus dem Büro oder einfach, weil ich prinzipiell nicht mehr lang suchen mag? Oder vielleicht bin ich dafür zu alt. Ich hab es einfach gern ersichtlich, übersichtlich und möglichst federleicht. Um so mehr erfreue ich mich an simplen Lösungsansätzen, erfrischenden Ideen und vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, die resultieren. Wie die Anwendungen von einem Pedalboard. Also, ganz klar, was Du nun brauchst…

Ganz klar, ein Pedalboard. Erbaut für Gitarristen und deren Tretminen, die sie Pedale nennen. Konzipiert für den Transport samt schnellem Aufbau. So weit die Theorie. In den letzten Jahren ist die Gitarren-Musik wieder aufgeflammt (ich berichtete) und mit ihr oder vielleicht dank der Entwicklung der Pedale, das «Pedalengeschäft». Die Technik erlaubt es dem Hersteller und zuletzt dem Musiker viel weiter vor zu dringen, als es noch vor Jahren war. Wenn man sich das auf der Zunge zergehen lässt, schluckt man einen schönen Batzen an Innovation der Gross- und Boutique-Pedale-Hersteller. Wer einen kleinen Pedal-Fetisch hat (ohne auf «GAS» oder Slogans wie «analog ist besser» einzugehen), weiss wovon ich spreche. Selbst wer einfach nur drei Pedale bespielt und es ordentlich mag, hat unter besten Umständen ein Pedalboard mit einem (galvanisch getrennten) Power-Supply drunter. Es brummt und surrt nüschts. Bestenfalls. Ich wundere mich jedoch oft, wenn ich mit Musikern unterwegs bin, wie aufwendig, gar unorganisiert ein Equipment-Fuhrpark doch gestaltet sein kann. Freunde, ich bin überzeugt, die Methode mit einem Pedalboard spart euch Zeit und Nerven… Einfach rein und raus.

Ein Pedalboard kann nämlich extrem praktisch ein. Selbstverständlich, ein Pedalboard bringt sein Eigengewicht, welches jedoch nicht weiter gross belastbar sein muss. Es ist da und kann unter Umständen bis zu 2kg auf die Waage bringen. Ich bringe meines auf dieses Eigengesamtgewicht samt Koffer. Nun kommt das Wunsch-Equipment, Kabel, Strom hinzu. Unter Umständen sind das alles 10kg, die easy ins Gewicht fallen können. Oder auch mehr. Aber nehmen wir vor erst das Prinzip Pedalboard unter die Lupe.

Das Prinzip Pedalboard

Das erworbene Pedalboard bringt Eigenmasse und gegebenen Raum, der genutzt werden kann und dient somit als ein «in sich geschlossenes System», welches auch evtl. erweitert werden kann. Es ist ratsam sich Gedanken gemacht zu haben, welche Dimension eigenen Bedürfnissen entspricht.
Machen wir es uns einfach. Es gibt folgende Grössen: S (<40cm Länge), M (40cm), L (60cm), XL (80cm), XXL (bei XXL siehe Andy Othling) und sicherlich alle Zwischengrössen je nach Anbieter. Die Firma Pedaltrain hat ein kleines Pedalboard in Angebot genannt «nano». Praktisch. Kommt mit einer schicken robusten Tasche daher und hat Raum für entweder zwei sehr grosse Pedale wie die Strymon-Flaggschiffe oder drei bis vier Kleinere. Reicht vollkommen. Je nach Anwendung. Es gibt jedoch viele Firmen, die generell Pedalboards herstellen. Simple und «recht» robuste können zB. bei Thomann erworben werden. Wie gesagt, je nach Anwendung und Anspruch.

Beispiel anhand eines Musikers: Einer, den ich immer gerne erwähne, ist der Zürcher Gitarrist und EndTitles Label-Artist Joel Gilardini. Wir sind beide begeisterte Pedale-Anwender (und nicht «immer» einer Meinung was Pedale angeht, aber wer ist das schon). Nun, für seine Live-Sets im Club Exil verwendet Joel ein mittleres Pedalboard (40cm) der Marke Pedaltrain. Diese Dimension nutzt er als persönliche Limitation. So viel an Effekten und nicht mehr. Sein Ansatz im Beispiel als Paradigma.

Doch Pedalboards können ebenfalls fix und fertig für anderes Equipment Verwendung finden. Synthesizer, Sampler, Tapedecks, Rack-Effekte und/oder. Alles schön verkabelt und verdrahtet. Fix und fertig heraus aus der Tasche oder Koffer für den Einsatz im Proberaum oder Liveshow. Ist eigentlich eine schlaue Sache. Rund in sich und clever! Der einzige Nachteil, der mir einfällt ist das Velcro-Tape.

Das Video von Dave Mech hat mich letztendlich zu diesem Beitrag inspiriert. Neulich schaute ich es und dachte, verdammt, ich bin nicht allein, haha!!! Es gibt so viele Einsatzmöglichkeiten. Toll! Auch hier dient das Prinzip des Pedalboards als Paradigma. Die Formel ist simpel: Gewicht und Simplizität resultieren aus Bedarf und Raum (und vice versa). Anders als bei Dave setzte ich allerdings mein Pedalboard gleichermassen im Studio ein. Es bleibt gleich und verkabelt auf dem Tisch für das gegebene Projekt. Somit können Pedalboard zur Organisation diversen Equipments zeitsparend und effektiv eingesetzt werden. Einfach rein und raus.

FAZIT: Wie immer alles eine Frage des persönlichen Geschmacks. Als Bassist der 90er- und Beginn der 00er-Jahre sind mir die Pedale sympathisch geblieben. Erst recht mit der gegenwärtigen Entwicklung. Und es kommen viele neue Sympathisanten hinzu, aber sprechen wir nicht darüber, sondern über den Vorzug eines Pedalboards. Pedalboard, oh Pedalboard, Du bescherst…

Als nächstes geht es weiter mit: All you need is… Tinnitus? Not really!


Quellen: Youtube, Pedaltrain, Thomann, Musiker-Board
Webpages: Dave Mech, Joel Gilardini, EndTitles

All you need is… Sounds for your ears! – Pt. 1

In der letzten Zeit haben viele, wirklich spannende Releases das Licht erblickt. Vielleicht sogar zu viele auf einmal. Zu Vieles – zu gut. Und zu viel ging möglicherweise unter. Seit 2020 erlebe ich einen regelrechten Monsun an Releases parallel mit einer Flutwelle an neuen Künstlern, die Labels bombardieren oder direkt selbst veröffentlichen. Ich persönlich habe oft Mühe bei dem Tempo Schritt zu halten. Falls Du nicht meiner Meinung bist, lies nicht weiter. Du findest nüschts Neues, Du bist up-to-date. Oder vielleicht doch nicht? Aus diesem Grunde starte ich eine kleine überschaubare Reihe.

«Sounds for your ears!» bringt vor allem Empfehlungen über neue aber auch vergangene Veröffentlichungen auf Bandcamp. Die Anzahl pro Episode ist auf eine runde sieben beschränkt. Ich führe nur auf, was mir persönlich gefällt und schreibe nicht negativ und ich verspreche keinerlei Regelmässigkeit. Als Gastronom, Musiker und private Person bleibt wenig Raum für Luftsprünge auf mehreren Hochzeiten. Doch warum Bandcamp? Bandcamp hat sich einfach bewährt und seit dem «Bandcamp Friday», meiner Meinung nach, einem der besten marketing-technischen Kunstgriffe seit Langem, ist Bandcamp zuverlässig und TOP NOTCH, gell! Und warum nicht weiter aufbauend auf Youtube werde ich gefragt? Nun, es reicht mir vollkommen mein Gesicht täglich während der Bartpflege im Spiegel zu begutachten und darüber ein schönes Seitenkompliment von meiner Frau zu bekommen und (siehe oben). Summa summarum, nehmen wir uns bitte nicht zu wichtig bei dem, was wir tun und erschaffen. Geniessen wir es einfach. Also, tauchen wir langsam ein…

Sounds for your ears! – Pt. 1

Den Beginn macht mein lieber Freund Nicolas Streichenberg aka Yes it’s Ananias aus Zürich, ein energiereicher Improvisator und Virtuose auf dem Klavier. Vor wenigen Tagen ist seine neue Single erschienen: Treizeta. Viel Spass beim Hören.
www.yesitsananias.com


Micah Frank muss ich vielen nicht mehr vorstellen. Der, in New York lebende Musiker, Sound Designer, -Artist und Labelboss von Puremagnetik ist einfach zu umtrieben, um sich Ruhe zu gönnen. Am 13. Oktober gibt er ein Onlinekonzert. Larum, sein Nebenprojekt spielt Stücke von Hildegard von Bingen. Wahnsinn! Und vor wenigen Tagen veröffentlichte er ein kleines Album bestehend aus Collagen: A Flare for the Tuning.
Tickets für den Live Stream: HIER!
www.micahfrank.com/about


Als Nächstes empfehle ich das Debüt-Release meines Labelkollegen, James Gilbert aka Petteril aus England. Cyre – eine wunderbare EP voller Optimismus und wie auf der Bandcamp-Page beschrieben: «a long breath in and a slow exhalation.»
Intergram


Wer entdecken will, der begibt sich auf eine lange Reise. Als ich diesen Sommer in Irland meine Aufnahmen für den Soundpack «Dingeklang Vol.2» machte, hörte ich zwischendurch sehr viel Stephen Reichelt. Die Empfehlung bekam ich vor Monaten von meinem lieben Freund und Kollaborateur, Stefan Schmidt. Taucht ein und vergesst alles drumherum!
Bandcamp


Über diese beiden Musiker habe ich bereits geschrieben. Jedoch will ich sie nochmals erwähnen. Beide, Darren Dyke aka Pancycle aus Belgien und Thierry Arnal aka SEPL aus Frankreich haben erstaunliche Stücke auf Basis von meinem Soundpack «Dingeklang Vol.1» kreiert. Ich kann beide Talente nicht genug empfehlen. Doch hört selbst hin:
Pancycle
SEPL
Dingeklang Vol​.​1 – Sound pack of obsolete electro acoustic devices


Kommen wir zu meiner neusten und abschliessenden Entdeckung, Iann Troalen aka Music Moleculaire aus Kanada. Iann schrieb mich an und ich entdeckte seine Musik. Er ist recht aktiv und mit mehreren Releases im Gepäck eine spannende Nummer. Ich selbst besitze noch nichts aus seinem Repertoire aber bald…
musiquemoleculaire.com

Danke für deine Zeit und Ohren und bis zur nächsten Ausgabe mit neuen Empfehlungen bei «Sounds for your ears!» – Pt. 2

All you need is… MiniDisc?

MiniDisc, MiniDisc und nochmals MiniDisc. Oder doch CD? Nein, nicht wirklich. Noch bevor CD-Brenner erschwinglich waren, gab es die MiniDisc. Eigentlich eine Revolution von Sony. Doch dann verschwand sie, die MiniDisc. Was ist passiert? Tauchen wir ein…

© Dominik Grenzler

Warum um Gottes Willen befasse ich mich mit dem Thema? Nun, Du musst wissen, in den 90ern rettete mich die MiniDisc. Damals machte ich die klassischen Mixtapes (auf Kassette versteht sich). Die Musik auf der Kassette war mein Soundtrack. Doch der Bandsalat und die relativ schnelle Bandabnutzung der qualitativ minderen Ferro-Kassette (preiswerter als Chrom oder Metal) trieb mich langsam in den Wahnsinn. Die Lösung war die MiniDisc. Und so kam es. Die MiniDisc wurde mein täglicher Begleiter und selbst als die tragbaren CD-Player erschwinglich wurden, kehrte ich stets zur MiniDisc zurück. Das ging so lange bis ich in 2007 meinen ersten 4GB iPod erwarb. Das war der Dealbreaker…

Bevor es weiter spannend wird, komme ich nicht mit dem BlaBla rundum die MiniDisc herum. Einpaar Fakten kalt serviert oder seicht unterhaltend. Gelesen oder weiter unten geschaut. Zum Text…

Background

Die MiniDisc (MD) ist ein von Sony entwickeltes magneto-optisches Speichermedium zur digitalen Aufnahme und Wiedergabe von Musik und Sprache. Die MD wurde im Mai 1991 vorgestellt, der Verkauf entsprechender Wiedergabe- und Aufnahmegeräte begann im November 1992 mit dem Sony MZ-1. Die MiniDisc wurde als Nachfolger der Compact Cassette (CC) positioniert, nachdem die DAT-Kassette im Privatbereich erfolglos geblieben war. 1999 hatten einige japanische Anbieter MiniDisc-Player als Hifi-Anlagen-Baustein im Angebot. Wegen der einfachen Handhabung beim Schneiden und Aufnehmen verbreitete die MiniDisc sich auch im Radio- und Tonstudiobereich. Datenlaufwerke auf Basis der MiniDisc sowie spezielle Data-MiniDiscs konnten sich in Europa kaum durchsetzen.

Das Angebot an Wiedergabe- und Aufnahmegeräten ging seit dem Aufkommen der MP3-Player seit 2003 stark zurück; in Europa brachte nur noch Sony selbst MD-Audiorekorder heraus. In Japan hingegen war die MiniDisc ähnlich stark verbreitet wie die CD in Deutschland. 2004 stellte Sony die überarbeitete MiniDisc HI-MD mit 1 GB Speichervermögen vor. Im Juli 2011 kündigte Sony dennoch an, dass ab September desselben Jahres aufgrund der zurückgehenden Nachfrage die Herstellung portabler MiniDisc-Geräte eingestellt werde; bis März desselben Jahres hatte Sony 22 Millionen Geräte verkauft.

Aufbau

Die MiniDisc besteht aus einem Kunststoffgehäuse mit 72 mm × 68 mm Kantenlänge und 5 mm Dicke, ähnlich dem einer 3,5-Zoll-Diskette, in dem die eigentliche Disc mit 64 mm (2,5 Zoll) Durchmesser geschützt untergebracht ist. Das Gehäuse besitzt eine bzw. zwei durch einen Schieber verschlossene Aussparungen, durch die die Disc zugänglich ist. Der Schieber wird erst vom Aufnahme- oder Wiedergabegerät geöffnet, um ein Eindringen von Staub zu verhindern. Die Disc weist eine Gesamtdicke von 1,2 mm auf, die zum größten Teil vom transparenten Polycarbonat-Trägermaterial eingenommen wird. Auf der Oberseite der Disc befindet sich wie bei einer CD die Datenschicht, die durch eine Deckschicht vor Umwelteinflüssen und mechanischer Beschädigung geschützt wird. Die Daten werden digital gespeichert und von der Unterseite der MiniDisc berührungslos durch einen infraroten Laser ausgelesen. Der Abstand zwischen den Datenspuren beträgt dabei, abhängig von der Spieldauer der MiniDisc, 1,5 oder 1,6 µm. Sowohl der Schreib- als auch der Lesevorgang erfolgt mit konstanter Umfangsgeschwindigkeit (CLV) der MiniDisc von 1,2 bis 1,4 m/s.

Audio-MiniDisc

Es gibt bespielbare Audio-MDs mit 60, 74 und 80 Minuten Kapazität, wovon erstere aber nicht mehr produziert werden. Die Musik wird im komprimierten ATRAC-Format gespeichert, damit die Daten einer normalen Musik-CD (650 bis 700 MB) auf eine MiniDisc (164 bis 177 MB) passen.

ATRAC benutzt, ähnlich wie AAC oder MP3, ein psychoakustisches Modell, um die zwar vom menschlichen Ohr wahrnehmbaren, aber nicht mehr vom Gehirn verarbeitbaren Anteile der Musik zu entfernen und damit Speicherplatz zu sparen.

Der ATRAC-Codec wurde seit der Einführung der MD im Jahre 1992 ständig weiterentwickelt. Standard-ATRAC verwendet eine Datenrate von 292 kbps. Nachträglich wurde dann das MDLP-Format (ATRAC3) eingeführt, mit dem auf eine 80-Minuten-Disc 160 (LP2) bzw. 320 (LP4) Minuten Musik passen. Die Abkürzung LP steht in diesem Falle für „Longplay“. Dabei wird die Musik mit 132 (LP2) bzw. 66 kbps (LP4) komprimiert, was jedoch besonders im LP4-Modus eine deutlich hörbare Verschlechterung der Tonqualität bewirkt.

Die Auflösung der auf der MD aufgezeichneten Daten ist im Gegensatz zur CD nicht festgelegt, da wegen des Aufbaus des ATRAC-Codecs keine explizite Bit-Tiefe gespeichert wird. Durch digitale Aufnahmen von Quellen in 20- oder 24-Bit-Qualität (bzw. analoge Aufnahmen mittels eines 20- oder 24-Bit-fähigen A/D-Wandlers) werden Aufnahmen über der 16-Bit-Norm möglich. Für das Abspielen oberhalb dieser Norm werden auch entsprechend ausgerüstete Abspielgeräte benötigt (es besteht jedoch uneingeschränkte Kompatibilität zu Geräten, die nur über einen 16-Bit-Wandler verfügen).

Ebenfalls hervorzuheben ist, dass das ATRAC-Format im Gegensatz zu einigen anderen aktuell auf mobilen Abspielgeräten verbreiteten verlustbehafteten Formaten wie AAC und MP3 von Anfang an ohne Umwege Gapless Playback beherrschte.

Aufzeichnungs- bzw. Speicherverfahren

Beschreibbare MiniDiscs nutzen zur Speicherung der Daten ein magneto-optisches Verfahren wie bei der MO-Disk. Beim Schreibvorgang arbeitet der Laser auf der Unterseite der MiniDisc mit erhöhter Leistung (etwa 7 mW), um deren magnetisierbare Schicht punktuell auf eine Temperatur oberhalb ihres Curiepunkts aufzuheizen. Als Führung für den Laser dient dabei eine bei der Fertigung der MiniDisc aufgebrachte Führungsspur (Pregroove). Von der Oberseite der MiniDisc werden dann durch das wechselnde Feld eines kleinen Elektromagneten, der an einem Schreibarm federnd auf der rotierenden MiniDisc aufliegt, die Daten aufmoduliert. Nach dem Abkühlen bleibt die Magnetisierung der einzelnen Felder erhalten und ist unempfindlich gegen äußere Magnetfelder.

Vor dem erneuten vollständigen oder teilweisen Beschreiben einer bereits bespielten MiniDisc ist kein Löschvorgang notwendig, da die betroffenen Datenbereiche ohnehin vollständig neu magnetisiert werden. Die Daten auf einer MiniDisc sind ähnlich wie bei einer Diskette in Sektoren organisiert, die Belegung der MiniDisc wird in einem Inhaltsverzeichnis (User Table of Contents, UTOC) abgelegt. Im Gegensatz zur Audio-CD, auf der die Daten sequentiell auf einer spiralförmigen Spur abgelegt sind, können dadurch einzelne Titel auf der MD gelöscht, zusammengefügt, geteilt und verschoben werden. Das Aktualisieren des UTOC geschieht – abhängig vom Aufnahmegerät – entweder direkt im Anschluss an den Aufnahme- oder Editiervorgang oder erst vor dem Auswerfen der MiniDisc aus dem Aufnahmegerät bzw. nach dessen nächstem Einschalten. Im letzteren Fall werden die aktuellen UTOC-Daten in einem batteriegepufferten RAM des Aufnahmegeräts zwischengespeichert.

Durch das magneto-optische Verfahren wird eine hohe Sicherheit und Langlebigkeit der gespeicherten Daten erreicht, es werden typisch 30 Jahre Datenerhalt und mehr als eine Million Schreibvorgänge angegeben. Diese Zahlen sind deutlich höher als die der wiederbeschreibbaren CD-RW, die rein optisch arbeitet.

Vor- und Nachteile

Die Minidisc verbreitete sich zu einer Zeit auf dem Markt, als die CD in Form von vorbespielten Tonträgern zwar bereits in den meisten Haushalten Einzug gehalten hatte, private Tonaufnahmen jedoch noch vorwiegend auf analogen Kompaktkassetten erfolgten. Sie stellte damals eine vergleichsweise kostengünstige und benutzerfreundliche Möglichkeit dar, verlustarme digitale Tonaufnahmen anzufertigen. Dies trifft in besonderem Maß auf die tragbaren MD-Recorder zu, diese waren bis in die 2000er Jahre neben DAT-Recordern, welche vorwiegend im professionellen Bereich eingesetzt wurden, und den nur wenige Jahre lang produzierten DCC-Recordern die einzigen und vor allem die kleinsten tragbaren digitalen Audiorecorder. Die Vorteile der MiniDisc gegenüber magnetbandbasierten Formaten waren der schnelle und komfortable Zugriff auf einzelne Titel, die Robustheit und Unanfälligkeit gegenüber Schmutz sowie die leichte Editierbarkeit (Titel verschieben, löschen, trennen, zusammenführen, abschnittsweises Löschen, Texteditierung für Titel usw.) direkt an den Aufnahmegeräten. Ebenso zu nennen ist auch die praktisch unbegrenzte Wiederbespielbarkeit (laut Herstellerangaben etwa 1.000.000 mal) sowie die durch das magneto-optische Funktionsprinzip bedingte hohe Langzeithaltbarkeit.

Ein Nachteil besteht in der verlustbehafteten Kompression der Audiodaten. Damit ist die MiniDisc für Studiozwecke weniger geeignet. In der ersten ATRAC-Version war der Qualitätsverlust durch die Kompression noch deutlich hörbar, der Codec wurde jedoch laufend verbessert und galt spätestens seit der Version 3.5 (erschienen im Jahr 1996) als akustisch transparent. Der Nachteil der verlustbehafteten Kompression wurde zum Teil mit der neuen Hi-MD beseitigt, da damit auch die unkomprimierte 1:1-Aufnahme in PCM möglich wurde. 

Ein gravierender Nachteil gegenüber DAT war, dass bei den meisten älteren Aufnahmegeräten nach Stromausfall, versehentlicher Trennung vom Netz oder erzwungenem zu frühem mechanischen Auswurf der Disc bei portablen Geräten, bevor der UTOC (User Table of Contents) abgespeichert wurde, die gesamte Aufnahme verloren war, bei neueren Geräten wurden diese Informationen üblicherweise per Batterie im Speicher gehalten, bis sie bei nächster Gelegenheit auf die Disc geschrieben werden konnten. Dieses Problem hat MiniDisc allerdings mit CD-, CompactFlash- und Harddisk-Recordern gemeinsam. Ausgenommen hiervon sind einige professionelle MiniDisc-Aufnahmegeräte und die Geräte ab der NetMD-Generation, die bereits vor oder während der Aufnahme das vorläufige, geänderte „Pre-UTOC“ im Gerätespeicher ablegen, so dass die Aufnahme in jedem Fall erhalten bleibt. Im Internet kursieren zudem Anleitungen, um verlorene Audiodaten wiederherzustellen (TOC-Cloning). Im deutschen minidiscforum.de existiert ein Thread, in dem User die kostenlose Datenrettung von Aufnahmen durch TOC-Cloning anbieten.

Zum Video… Viel Nostalgie, viel Liebe, viel Hardware mit dem Fokus auf die Audio-MiniDisc


Kreativ mit MiniDisc

Doch die MiniDisc ist nie ganz verschwunden. Liebhaber, wie ich, wertschätzen ihre Qualitäten und erfreuen sich an der umständlichen Handhabung, das Medium im Kontext einzusetzen. «Alles» ist möglich und Haibach zeigt wie es gehen kann…


Vor einpaar Jahren befasste ich mich mit den Daten-MiniDiscs für Videoaufnahmen und Mehrspuraufnahmen wie auf dem obersten Foto von mir. Alles schön und gut, ich denke aber, die eindeutige Stärke der Mini-Disc liegt im reinen Audioformat. Und selbst, die im Text oben erwähnte «hörbare» Verschlechterung der Tonqualität im LP-Modus (je nach Gerät und Features) kann als Stil-Mittel clever eingesetzt werden. So gesehen experimentierst Du mit dem Sound des Mediums im Studio oder die Audio-MiniDisc wird heutzutage wieder gezielt für Album-Veröffentlichungen eingesetzt. Mein Lieblingsalbum auf dem Medium bleibt Massive Attack’s Mezzannine. Erworben zu Beginn der 2000er. Ein Evergreen.


FAZIT: Absolut, die MiniDisc ist ein Nostalgieelement und ihre Fangemeinde ist nicht zu unterschätzen. Viele der gegenwärtigen Generation kennen selbst die VHS nicht mehr und die MiniDisc schon mal gar nicht. Dabei ist sie soooo schön und (un)praktisch und (un)handlich. Ich liebe sie!

Als nächstes: All you need is… a Pedalboard?

Quellen: Wikipedia, Youtube, Dominik Grenzler

All you need is… Hauntology!

Hauntology ist ein Phänomen. Ein Statement. Eine musikalische Nische. Kontrovers und spannend zugleich. Doch was bedeutet Hauntology und was hat es damit auf sich? Tauchen wir ein...


In eigener Sache

Letztes Jahr im sonnigen Frühling erschien «Of Mirrors», ein Album mit meinem ehrenwerten Kollegen Virlyn aus Belgien¹. David Newman veröffentlichte es auf dem tollen Audiobulb. Die CD-Vesion erschien wenige Wochen später auf meinem Label, EndTitles in einer limitierten Auflage. Mary Anne Hobbs vom BBC Radio 6 kontaktierte David und war an der Musik seines Labels interessiert. David sagte gerade aus: «Just pick one». Das tat sie und wählte «Of Mirrors». Mitten in der Nacht horchte ich gebannt damals im Mai ihrer Show und hörte Mary Anne zum Schluss der Sendung ansagen: «I am gonna leave with a piece of music that has been haunting me…» Die Original-Ansage auf Instagram: Link. Ich erstarrte und bekam Gänsehaut. Ihre weiche, eindringliche Stimme hypnotisierte mich. «This is Secret Place». Ich dachte nur wow und war von der Bezeichnung «haunting» gefesselt. Des Öfteren hörte ich meine Leute über An Moku sprechen im Kontext der Spannung, Stimmung, Gänsehaut, Dämmerlicht, Konzentration, Schauer, gar Hypnose. Das schmeichelte mir. Fasziniert von der Elektronik, den Nostalgie-Aspekten, Field Recordings, Dark Ambient, Drone, Lowercase und klassischen Instrumenten produzierte ich, was ich für gut befand. Bis es mir mit wie Schuppen von den Augen fiel: Meine Musik ist tatsächlich «haunting»!

So begann ich mich mit dem Thema auseinander zu setzten bis ich im Herbst letzten Jahres «Less» aufnahm. Ein sehr reduziertes, auf wenige Aspekte konzentriertes Album, erhältlich in wenigen Tagen:

“​Less​ was my most difficult album to make,” says Grenzler. Frustrated by his lack of progress on a concurrent project, he turned to his bass guitar and his effects boxes, and over a two-day session produced a kind of music that was a departure for him: “​Less ​is an approach to Hauntology and drone. I’ve never done those like this before.”

“Most of my recordings are only with the bass guitar and effects,” he points out. ​Less​ ​is a textured, sensual audio fabric of electricity, the sound of voltage flowing through equipment, pushing against impedance, expanding into a sonic architecture of places: the sound of still life, objects, haunted spaces.

During the pandemic lockdown, he listened to hauntology recordings and wanted to direct his efforts at the genre, “somehow, with my own ideas. I wanted ​Less ​to be abstract. I wanted to limit myself and had to rethink. My limitation on this release was bass, a bunch of pedals on two pedalboards, and some sampled dusty vinyl crackles!”

This is something of a hardware album, a duet between Grenzler and his boxes… The central “location” of the album, it’s a place into which the music directs the ear, a churning soundscape of uneasy memories and dramatic stabs of sensation. From here, ​An Moku ​guides the listener back out through the final track…

“I knew I wanted to let the bass sound differently,” he explains. “You hear walls of sound full of movement and voltage, but less of the bass. All in all it is less of everything.”

But less of everything, on ​Less,​ produces more. Like the ​natura morta​ paintings of artists like Giorgio Morandi, tracks like “A Better Tomorrow” and “Forgetting” seem to just turn on, there before our ears in the way an image sits before our eyes. Sounds hum and expand with the tactility of the vibrating strings of Grenzler’s bass guitar, the loops of voltage that run through his effects.”Auszug aus dem Pressetext von Puremagnetik

«Less» ist ab dem 13. April über das grossartige New Yorker Puremagnetik auf Kassette und Digital erhältlich.


Definition

Doch was ist Hauntology? Ich begab mich auf die Suche und fand paar Erklärungen, denn das Genre ist noch nicht sehr alt…

Hauntologie ist ein Genre oder eine lose Kategorie von Musik und Kunst, die darauf abzielt, ein tiefes kulturelles Gedächtnis hervorzurufen, das sich mit der Ästhetik der Vergangenheit befasst. Es entwickelte sich in den 2000er Jahren hauptsächlich unter britischen elektronischen Musikern und stützt sich in der Regel auf britische Kulturquellen aus den 1940er bis 1970er Jahren, darunter Bibliotheksmusik, Film- und TV-Soundtracks, Psychedelika und öffentliche Informationsfilme, häufig unter Verwendung von Sampling.

Der Begriff «Hauntologie» wurde erstmals von dem französischen Philosophen Jacques Derrida in seinem 1993 erschienenen Buch The Spectre of Marx geprägt, in dem er beschreibt, wie der titelgebende politische Theoretiker und seine revolutionären Ideale die westlichen Gesellschaften noch lange nach seinem Tod verfolgen. In seiner populärsten Form dreht sich das Konzept der Hauntologie jedoch um die künstlerische Evokation und Erinnerung an vergangene kulturelle Merkmale und Technologien wie alte Fernsehsendungen, Tonbandaufnahmen und analoge Medien im Allgemeinen.

Das moderne Studium der Hauntologie als Ästhetik begann mit dem Auftreten eines britischen Underground-Trends für elektronische Musik, der häufig mit dem Ghost Box-Label und Künstlern wie Burial und The Caretaker in Verbindung gebracht wird – während der erstere die Aufmerksamkeit der berüchtigten Musikjournalisten Mark Fisher und Simon Reynolds auf sich zog Letzterer wurde im Laufe des Jahres 2010 dank seiner experimentellen Alben An Empty Bliss Beyond This World und Everywhere At the End Of Time, die beide das Gedächtnis und die Demenz durch Sampling und Bearbeitung von Ballsaalmusik aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg erforschten, schnell zu Internet-Berühmtheit.

Während die Hauntologie nicht an einen bestimmten Zeitraum gebunden ist, wird sie hauptsächlich verwendet, um Werke zu definieren, die auf relativ neuen kulturellen Artefakten basieren und normalerweise nur bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückreichen. Eine weitere akademische Untersuchung des hauntologischen Phänomens wurde auch von den oben genannten Theoretikern durchgeführt, wobei seine Popularität als Symptom für eine tiefe und allgemeine Unzufriedenheit mit dem Mangel an Visionarismus der Moderne angesehen wurde – in diesem Sinne rufen vergangene kulturelle Formen einen verlorenen Utopismus für futuristische Post hervor Wohlfahrtsgesellschaften, die seitdem von der erzwungenen Idee des Neoliberalismus einer «Endzeit» abgelöst wurden, ab der keine alternativen wirtschaftlichen oder sozialen Systeme möglich oder machbar erscheinen.

Parallel dazu ließen sich Musiker wie Ariel Pink und James Ferraro von der elektronischen Musik der 70er und 80er Jahre inspirieren, um Genres wie Lo-Fi und hypnagogischen Pop anzukurbeln und den Weg für die Entstehung der Vaporwave-Bewegung in den 2010er Jahren zu ebnen.

Künstler, die es ausserdem zu hören gilt


Support: Holly Herndon and Matt Dryhurst Podcast


FAZIT: Persönlich fühle ich mich in dem Genre ideologisch gesehen bestens aufgehoben und dennoch distanziere ich mich in dem Sinne vom Sampling vorhandenen Materials und dem politischen Aspekt. «No Future» und «The Future is cancelled» spielen für mich eine grosse Rolle. Wer seine Augen nicht verschliesst, weiss, dass die kommenden Generationen politisch/ökologisch viel aus zu löffeln haben werden.

Ich verabschiede mich mit einem Stück namens «Phimola», dass ich während des Sommers einmal in Dauerschleife in meinem Café spielte. Eine Frau kam an den Tresen und fragte mich leicht aufgelöst, was mit der Musik passiert sei: «Habe die CD einen Sprung?» Paar Tage nach der Veröffentlichung, eine Bekannte, die den Lockdown im Sommer auf Aruba verbrachte, begrüsste mich über den Facebook Messanger mit einem Morgenkaffee: «Sonnenaufgang mit Phimola». Und zu guter Letzt das Stück «Mirror». Es ist eines meiner absoluten Favoriten. Hauntology – Ein Genre, eine Nische. Kontrovers und spannend. Viel Vergnügen und danke für deine Zeit ;-)

Nächstes Mal: All you need is… MiniDisc!


Quellen: Wikipedia, Youtube, Bandcamp

¹  «Of Mirrors» ist 2012 fertig gestellt worden und anschliessend 2013 in den USA auf Already Dead Tapes Records in einer limitierten Auflage von 50 Kassetten erschienen. Ich war damals nicht ganz happy mit dem Release und liess das Album vor erst ruhen bis ich es 2019 erneut in Angriff nahm und 2020 letztendlich veröffentlichen liess.