All you need is… MiniDisc?

MiniDisc, MiniDisc und nochmals MiniDisc. Oder doch CD? Nein, nicht wirklich. Noch bevor CD-Brenner erschwinglich waren, gab es die MiniDisc. Eigentlich eine Revolution von Sony. Doch dann verschwand sie, die MiniDisc. Was ist passiert? Tauchen wir ein…

© Dominik Grenzler

Warum um Gottes Willen befasse ich mich mit dem Thema? Nun, Du musst wissen, in den 90ern rettete mich die MiniDisc. Damals machte ich die klassischen Mixtapes (auf Kassette versteht sich). Die Musik auf der Kassette war mein Soundtrack. Doch der Bandsalat und die relativ schnelle Bandabnutzung der qualitativ minderen Ferro-Kassette (preiswerter als Chrom oder Metal) trieb mich langsam in den Wahnsinn. Die Lösung war die MiniDisc. Und so kam es. Die MiniDisc wurde mein täglicher Begleiter und selbst als die tragbaren CD-Player erschwinglich wurden, kehrte ich stets zur MiniDisc zurück. Das ging so lange bis ich in 2007 meinen ersten 4GB iPod erwarb. Das war der Dealbreaker…

Bevor es weiter spannend wird, komme ich nicht mit dem BlaBla rundum die MiniDisc herum. Einpaar Fakten kalt serviert oder seicht unterhaltend. Gelesen oder weiter unten geschaut. Zum Text…

Background

Die MiniDisc (MD) ist ein von Sony entwickeltes magneto-optisches Speichermedium zur digitalen Aufnahme und Wiedergabe von Musik und Sprache. Die MD wurde im Mai 1991 vorgestellt, der Verkauf entsprechender Wiedergabe- und Aufnahmegeräte begann im November 1992 mit dem Sony MZ-1. Die MiniDisc wurde als Nachfolger der Compact Cassette (CC) positioniert, nachdem die DAT-Kassette im Privatbereich erfolglos geblieben war. 1999 hatten einige japanische Anbieter MiniDisc-Player als Hifi-Anlagen-Baustein im Angebot. Wegen der einfachen Handhabung beim Schneiden und Aufnehmen verbreitete die MiniDisc sich auch im Radio- und Tonstudiobereich. Datenlaufwerke auf Basis der MiniDisc sowie spezielle Data-MiniDiscs konnten sich in Europa kaum durchsetzen.

Das Angebot an Wiedergabe- und Aufnahmegeräten ging seit dem Aufkommen der MP3-Player seit 2003 stark zurück; in Europa brachte nur noch Sony selbst MD-Audiorekorder heraus. In Japan hingegen war die MiniDisc ähnlich stark verbreitet wie die CD in Deutschland. 2004 stellte Sony die überarbeitete MiniDisc HI-MD mit 1 GB Speichervermögen vor. Im Juli 2011 kündigte Sony dennoch an, dass ab September desselben Jahres aufgrund der zurückgehenden Nachfrage die Herstellung portabler MiniDisc-Geräte eingestellt werde; bis März desselben Jahres hatte Sony 22 Millionen Geräte verkauft.

Aufbau

Die MiniDisc besteht aus einem Kunststoffgehäuse mit 72 mm × 68 mm Kantenlänge und 5 mm Dicke, ähnlich dem einer 3,5-Zoll-Diskette, in dem die eigentliche Disc mit 64 mm (2,5 Zoll) Durchmesser geschützt untergebracht ist. Das Gehäuse besitzt eine bzw. zwei durch einen Schieber verschlossene Aussparungen, durch die die Disc zugänglich ist. Der Schieber wird erst vom Aufnahme- oder Wiedergabegerät geöffnet, um ein Eindringen von Staub zu verhindern. Die Disc weist eine Gesamtdicke von 1,2 mm auf, die zum größten Teil vom transparenten Polycarbonat-Trägermaterial eingenommen wird. Auf der Oberseite der Disc befindet sich wie bei einer CD die Datenschicht, die durch eine Deckschicht vor Umwelteinflüssen und mechanischer Beschädigung geschützt wird. Die Daten werden digital gespeichert und von der Unterseite der MiniDisc berührungslos durch einen infraroten Laser ausgelesen. Der Abstand zwischen den Datenspuren beträgt dabei, abhängig von der Spieldauer der MiniDisc, 1,5 oder 1,6 µm. Sowohl der Schreib- als auch der Lesevorgang erfolgt mit konstanter Umfangsgeschwindigkeit (CLV) der MiniDisc von 1,2 bis 1,4 m/s.

Audio-MiniDisc

Es gibt bespielbare Audio-MDs mit 60, 74 und 80 Minuten Kapazität, wovon erstere aber nicht mehr produziert werden. Die Musik wird im komprimierten ATRAC-Format gespeichert, damit die Daten einer normalen Musik-CD (650 bis 700 MB) auf eine MiniDisc (164 bis 177 MB) passen.

ATRAC benutzt, ähnlich wie AAC oder MP3, ein psychoakustisches Modell, um die zwar vom menschlichen Ohr wahrnehmbaren, aber nicht mehr vom Gehirn verarbeitbaren Anteile der Musik zu entfernen und damit Speicherplatz zu sparen.

Der ATRAC-Codec wurde seit der Einführung der MD im Jahre 1992 ständig weiterentwickelt. Standard-ATRAC verwendet eine Datenrate von 292 kbps. Nachträglich wurde dann das MDLP-Format (ATRAC3) eingeführt, mit dem auf eine 80-Minuten-Disc 160 (LP2) bzw. 320 (LP4) Minuten Musik passen. Die Abkürzung LP steht in diesem Falle für „Longplay“. Dabei wird die Musik mit 132 (LP2) bzw. 66 kbps (LP4) komprimiert, was jedoch besonders im LP4-Modus eine deutlich hörbare Verschlechterung der Tonqualität bewirkt.

Die Auflösung der auf der MD aufgezeichneten Daten ist im Gegensatz zur CD nicht festgelegt, da wegen des Aufbaus des ATRAC-Codecs keine explizite Bit-Tiefe gespeichert wird. Durch digitale Aufnahmen von Quellen in 20- oder 24-Bit-Qualität (bzw. analoge Aufnahmen mittels eines 20- oder 24-Bit-fähigen A/D-Wandlers) werden Aufnahmen über der 16-Bit-Norm möglich. Für das Abspielen oberhalb dieser Norm werden auch entsprechend ausgerüstete Abspielgeräte benötigt (es besteht jedoch uneingeschränkte Kompatibilität zu Geräten, die nur über einen 16-Bit-Wandler verfügen).

Ebenfalls hervorzuheben ist, dass das ATRAC-Format im Gegensatz zu einigen anderen aktuell auf mobilen Abspielgeräten verbreiteten verlustbehafteten Formaten wie AAC und MP3 von Anfang an ohne Umwege Gapless Playback beherrschte.

Aufzeichnungs- bzw. Speicherverfahren

Beschreibbare MiniDiscs nutzen zur Speicherung der Daten ein magneto-optisches Verfahren wie bei der MO-Disk. Beim Schreibvorgang arbeitet der Laser auf der Unterseite der MiniDisc mit erhöhter Leistung (etwa 7 mW), um deren magnetisierbare Schicht punktuell auf eine Temperatur oberhalb ihres Curiepunkts aufzuheizen. Als Führung für den Laser dient dabei eine bei der Fertigung der MiniDisc aufgebrachte Führungsspur (Pregroove). Von der Oberseite der MiniDisc werden dann durch das wechselnde Feld eines kleinen Elektromagneten, der an einem Schreibarm federnd auf der rotierenden MiniDisc aufliegt, die Daten aufmoduliert. Nach dem Abkühlen bleibt die Magnetisierung der einzelnen Felder erhalten und ist unempfindlich gegen äußere Magnetfelder.

Vor dem erneuten vollständigen oder teilweisen Beschreiben einer bereits bespielten MiniDisc ist kein Löschvorgang notwendig, da die betroffenen Datenbereiche ohnehin vollständig neu magnetisiert werden. Die Daten auf einer MiniDisc sind ähnlich wie bei einer Diskette in Sektoren organisiert, die Belegung der MiniDisc wird in einem Inhaltsverzeichnis (User Table of Contents, UTOC) abgelegt. Im Gegensatz zur Audio-CD, auf der die Daten sequentiell auf einer spiralförmigen Spur abgelegt sind, können dadurch einzelne Titel auf der MD gelöscht, zusammengefügt, geteilt und verschoben werden. Das Aktualisieren des UTOC geschieht – abhängig vom Aufnahmegerät – entweder direkt im Anschluss an den Aufnahme- oder Editiervorgang oder erst vor dem Auswerfen der MiniDisc aus dem Aufnahmegerät bzw. nach dessen nächstem Einschalten. Im letzteren Fall werden die aktuellen UTOC-Daten in einem batteriegepufferten RAM des Aufnahmegeräts zwischengespeichert.

Durch das magneto-optische Verfahren wird eine hohe Sicherheit und Langlebigkeit der gespeicherten Daten erreicht, es werden typisch 30 Jahre Datenerhalt und mehr als eine Million Schreibvorgänge angegeben. Diese Zahlen sind deutlich höher als die der wiederbeschreibbaren CD-RW, die rein optisch arbeitet.

Vor- und Nachteile

Die Minidisc verbreitete sich zu einer Zeit auf dem Markt, als die CD in Form von vorbespielten Tonträgern zwar bereits in den meisten Haushalten Einzug gehalten hatte, private Tonaufnahmen jedoch noch vorwiegend auf analogen Kompaktkassetten erfolgten. Sie stellte damals eine vergleichsweise kostengünstige und benutzerfreundliche Möglichkeit dar, verlustarme digitale Tonaufnahmen anzufertigen. Dies trifft in besonderem Maß auf die tragbaren MD-Recorder zu, diese waren bis in die 2000er Jahre neben DAT-Recordern, welche vorwiegend im professionellen Bereich eingesetzt wurden, und den nur wenige Jahre lang produzierten DCC-Recordern die einzigen und vor allem die kleinsten tragbaren digitalen Audiorecorder. Die Vorteile der MiniDisc gegenüber magnetbandbasierten Formaten waren der schnelle und komfortable Zugriff auf einzelne Titel, die Robustheit und Unanfälligkeit gegenüber Schmutz sowie die leichte Editierbarkeit (Titel verschieben, löschen, trennen, zusammenführen, abschnittsweises Löschen, Texteditierung für Titel usw.) direkt an den Aufnahmegeräten. Ebenso zu nennen ist auch die praktisch unbegrenzte Wiederbespielbarkeit (laut Herstellerangaben etwa 1.000.000 mal) sowie die durch das magneto-optische Funktionsprinzip bedingte hohe Langzeithaltbarkeit.

Ein Nachteil besteht in der verlustbehafteten Kompression der Audiodaten. Damit ist die MiniDisc für Studiozwecke weniger geeignet. In der ersten ATRAC-Version war der Qualitätsverlust durch die Kompression noch deutlich hörbar, der Codec wurde jedoch laufend verbessert und galt spätestens seit der Version 3.5 (erschienen im Jahr 1996) als akustisch transparent. Der Nachteil der verlustbehafteten Kompression wurde zum Teil mit der neuen Hi-MD beseitigt, da damit auch die unkomprimierte 1:1-Aufnahme in PCM möglich wurde. 

Ein gravierender Nachteil gegenüber DAT war, dass bei den meisten älteren Aufnahmegeräten nach Stromausfall, versehentlicher Trennung vom Netz oder erzwungenem zu frühem mechanischen Auswurf der Disc bei portablen Geräten, bevor der UTOC (User Table of Contents) abgespeichert wurde, die gesamte Aufnahme verloren war, bei neueren Geräten wurden diese Informationen üblicherweise per Batterie im Speicher gehalten, bis sie bei nächster Gelegenheit auf die Disc geschrieben werden konnten. Dieses Problem hat MiniDisc allerdings mit CD-, CompactFlash- und Harddisk-Recordern gemeinsam. Ausgenommen hiervon sind einige professionelle MiniDisc-Aufnahmegeräte und die Geräte ab der NetMD-Generation, die bereits vor oder während der Aufnahme das vorläufige, geänderte „Pre-UTOC“ im Gerätespeicher ablegen, so dass die Aufnahme in jedem Fall erhalten bleibt. Im Internet kursieren zudem Anleitungen, um verlorene Audiodaten wiederherzustellen (TOC-Cloning). Im deutschen minidiscforum.de existiert ein Thread, in dem User die kostenlose Datenrettung von Aufnahmen durch TOC-Cloning anbieten.

Zum Video… Viel Nostalgie, viel Liebe, viel Hardware mit dem Fokus auf die Audio-MiniDisc


Kreativ mit MiniDisc

Doch die MiniDisc ist nie ganz verschwunden. Liebhaber, wie ich, wertschätzen ihre Qualitäten und erfreuen sich an der umständlichen Handhabung, das Medium im Kontext einzusetzen. «Alles» ist möglich und Haibach zeigt wie es gehen kann…


Vor einpaar Jahren befasste ich mich mit den Daten-MiniDiscs für Videoaufnahmen und Mehrspuraufnahmen wie auf dem obersten Foto von mir. Alles schön und gut, ich denke aber, die eindeutige Stärke der Mini-Disc liegt im reinen Audioformat. Und selbst, die im Text oben erwähnte «hörbare» Verschlechterung der Tonqualität im LP-Modus (je nach Gerät und Features) kann als Stil-Mittel clever eingesetzt werden. So gesehen experimentierst Du mit dem Sound des Mediums im Studio oder die Audio-MiniDisc wird heutzutage wieder gezielt für Album-Veröffentlichungen eingesetzt. Mein Lieblingsalbum auf dem Medium bleibt Massive Attack’s Mezzannine. Erworben zu Beginn der 2000er. Ein Evergreen.


FAZIT: Absolut, die MiniDisc ist ein Nostalgieelement und ihre Fangemeinde ist nicht zu unterschätzen. Viele der gegenwärtigen Generation kennen selbst die VHS nicht mehr und die MiniDisc schon mal gar nicht. Dabei ist sie soooo schön und (un)praktisch und (un)handlich. Ich liebe sie!

Als nächstes: Plug-ins vs. Hardware vs. Cracked Ware

Quellen: Wikipedia, Youtube, Dominik Grenzler

All you need is… Hauntology!

Hauntology ist ein Phänomen. Ein Statement. Eine musikalische Nische. Kontrovers und spannend zugleich. Doch was bedeutet Hauntology und was hat es damit auf sich? Tauchen wir ein...


In eigener Sache

Letztes Jahr im sonnigen Frühling erschien «Of Mirrors», ein Album mit meinem ehrenwerten Kollegen Virlyn aus Belgien¹. David Newman veröffentlichte es auf dem tollen Audiobulb. Die CD-Vesion erschien wenige Wochen später auf meinem Label, EndTitles in einer limitierten Auflage. Mary Anne Hobbs vom BBC Radio 6 kontaktierte David und war an der Musik seines Labels interessiert. David sagte gerade aus: «Just pick one». Das tat sie und wählte «Of Mirrors». Mitten in der Nacht horchte ich gebannt damals im Mai ihrer Show und hörte Mary Anne zum Schluss der Sendung ansagen: «I am gonna leave with a piece of music that has been haunting me…» Die Original-Ansage auf Instagram: Link. Ich erstarrte und bekam Gänsehaut. Ihre weiche, eindringliche Stimme hypnotisierte mich. «This is Secret Place». Ich dachte nur wow und war von der Bezeichnung «haunting» gefesselt. Des Öfteren hörte ich meine Leute über An Moku sprechen im Kontext der Spannung, Stimmung, Gänsehaut, Dämmerlicht, Konzentration, Schauer, gar Hypnose. Das schmeichelte mir. Fasziniert von der Elektronik, den Nostalgie-Aspekten, Field Recordings, Dark Ambient, Drone, Lowercase und klassischen Instrumenten produzierte ich, was ich für gut befand. Bis es mir mit wie Schuppen von den Augen fiel: Meine Musik ist tatsächlich «haunting»!

So begann ich mich mit dem Thema auseinander zu setzten bis ich im Herbst letzten Jahres «Less» aufnahm. Ein sehr reduziertes, auf wenige Aspekte konzentriertes Album, erhältlich in wenigen Tagen:

“​Less​ was my most difficult album to make,” says Grenzler. Frustrated by his lack of progress on a concurrent project, he turned to his bass guitar and his effects boxes, and over a two-day session produced a kind of music that was a departure for him: “​Less ​is an approach to Hauntology and drone. I’ve never done those like this before.”

“Most of my recordings are only with the bass guitar and effects,” he points out. ​Less​ ​is a textured, sensual audio fabric of electricity, the sound of voltage flowing through equipment, pushing against impedance, expanding into a sonic architecture of places: the sound of still life, objects, haunted spaces.

During the pandemic lockdown, he listened to hauntology recordings and wanted to direct his efforts at the genre, “somehow, with my own ideas. I wanted ​Less ​to be abstract. I wanted to limit myself and had to rethink. My limitation on this release was bass, a bunch of pedals on two pedalboards, and some sampled dusty vinyl crackles!”

This is something of a hardware album, a duet between Grenzler and his boxes… The central “location” of the album, it’s a place into which the music directs the ear, a churning soundscape of uneasy memories and dramatic stabs of sensation. From here, ​An Moku ​guides the listener back out through the final track…

“I knew I wanted to let the bass sound differently,” he explains. “You hear walls of sound full of movement and voltage, but less of the bass. All in all it is less of everything.”

But less of everything, on ​Less,​ produces more. Like the ​natura morta​ paintings of artists like Giorgio Morandi, tracks like “A Better Tomorrow” and “Forgetting” seem to just turn on, there before our ears in the way an image sits before our eyes. Sounds hum and expand with the tactility of the vibrating strings of Grenzler’s bass guitar, the loops of voltage that run through his effects.”Auszug aus dem Pressetext von Puremagnetik

«Less» ist ab dem 13. April über das grossartige New Yorker Puremagnetik auf Kassette und Digital erhältlich.


Definition

Doch was ist Hauntology? Ich begab mich auf die Suche und fand paar Erklärungen, denn das Genre ist noch nicht sehr alt…

Hauntologie ist ein Genre oder eine lose Kategorie von Musik und Kunst, die darauf abzielt, ein tiefes kulturelles Gedächtnis hervorzurufen, das sich mit der Ästhetik der Vergangenheit befasst. Es entwickelte sich in den 2000er Jahren hauptsächlich unter britischen elektronischen Musikern und stützt sich in der Regel auf britische Kulturquellen aus den 1940er bis 1970er Jahren, darunter Bibliotheksmusik, Film- und TV-Soundtracks, Psychedelika und öffentliche Informationsfilme, häufig unter Verwendung von Sampling.

Der Begriff «Hauntologie» wurde erstmals von dem französischen Philosophen Jacques Derrida in seinem 1993 erschienenen Buch The Spectre of Marx geprägt, in dem er beschreibt, wie der titelgebende politische Theoretiker und seine revolutionären Ideale die westlichen Gesellschaften noch lange nach seinem Tod verfolgen. In seiner populärsten Form dreht sich das Konzept der Hauntologie jedoch um die künstlerische Evokation und Erinnerung an vergangene kulturelle Merkmale und Technologien wie alte Fernsehsendungen, Tonbandaufnahmen und analoge Medien im Allgemeinen.

Das moderne Studium der Hauntologie als Ästhetik begann mit dem Auftreten eines britischen Underground-Trends für elektronische Musik, der häufig mit dem Ghost Box-Label und Künstlern wie Burial und The Caretaker in Verbindung gebracht wird – während der erstere die Aufmerksamkeit der berüchtigten Musikjournalisten Mark Fisher und Simon Reynolds auf sich zog Letzterer wurde im Laufe des Jahres 2010 dank seiner experimentellen Alben An Empty Bliss Beyond This World und Everywhere At the End Of Time, die beide das Gedächtnis und die Demenz durch Sampling und Bearbeitung von Ballsaalmusik aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg erforschten, schnell zu Internet-Berühmtheit.

Während die Hauntologie nicht an einen bestimmten Zeitraum gebunden ist, wird sie hauptsächlich verwendet, um Werke zu definieren, die auf relativ neuen kulturellen Artefakten basieren und normalerweise nur bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückreichen. Eine weitere akademische Untersuchung des hauntologischen Phänomens wurde auch von den oben genannten Theoretikern durchgeführt, wobei seine Popularität als Symptom für eine tiefe und allgemeine Unzufriedenheit mit dem Mangel an Visionarismus der Moderne angesehen wurde – in diesem Sinne rufen vergangene kulturelle Formen einen verlorenen Utopismus für futuristische Post hervor Wohlfahrtsgesellschaften, die seitdem von der erzwungenen Idee des Neoliberalismus einer «Endzeit» abgelöst wurden, ab der keine alternativen wirtschaftlichen oder sozialen Systeme möglich oder machbar erscheinen.

Parallel dazu ließen sich Musiker wie Ariel Pink und James Ferraro von der elektronischen Musik der 70er und 80er Jahre inspirieren, um Genres wie Lo-Fi und hypnagogischen Pop anzukurbeln und den Weg für die Entstehung der Vaporwave-Bewegung in den 2010er Jahren zu ebnen.

Künstler, die es ausserdem zu hören gilt


Support: Holly Herndon and Matt Dryhurst Podcast


FAZIT: Persönlich fühle ich mich in dem Genre ideologisch gesehen bestens aufgehoben und dennoch distanziere ich mich in dem Sinne vom Sampling vorhandenen Materials und dem politischen Aspekt. «No Future» und «The Future is cancelled» spielen für mich eine grosse Rolle. Wer seine Augen nicht verschliesst, weiss, dass die kommenden Generationen politisch/ökologisch viel aus zu löffeln haben werden.

Ich verabschiede mich mit einem Stück namens «Phimola», dass ich während des Sommers einmal in Dauerschleife in meinem Café spielte. Eine Frau kam an den Tresen und fragte mich leicht aufgelöst, was mit der Musik passiert sei: «Habe die CD einen Sprung?» Paar Tage nach der Veröffentlichung, eine Bekannte, die den Lockdown im Sommer auf Aruba verbrachte, begrüsste mich über den Facebook Messanger mit einem Morgenkaffee: «Sonnenaufgang mit Phimola». Und zu guter Letzt das Stück «Mirror». Es ist eines meiner absoluten Favoriten. Hauntology – Ein Genre, eine Nische. Kontrovers und spannend. Viel Vergnügen und danke für deine Zeit ;-)

Nächstes Mal: All you need is… MiniDisc!


Quellen: Wikipedia, Youtube, Bandcamp

¹  «Of Mirrors» ist 2012 fertig gestellt worden und anschliessend 2013 in den USA auf Already Dead Tapes Records in einer limitierten Auflage von 50 Kassetten erschienen. Ich war damals nicht ganz happy mit dem Release und liess das Album vor erst ruhen bis ich es 2019 erneut in Angriff nahm und 2020 letztendlich veröffentlichen liess.

All you need is… iPad?

Musikproduktion mit iPad? Dank visionären Soft- und Hardware-Ingenieuren ist es heutzutage möglich mit einem iPad fundierte Musik zu machen. Doch ist die Produktion wirklich gut, was braucht man und vor allem für wenn ist dieses System geeignet? Anhand von einpaar Beispielen tauche ich mit dir in die Welt rundum der mobilen Musikproduktion ein. Du bist unentschlossen und erwägst, dann ist dieser Beitrag genau für dich! Die Fortsetzung meiner «All you need is..»-Reihe. Sie ist für Einsteiger und Fortgeschrittene gedacht. Dient zur Entdeckung und Erforschung.

Seit 2011 hat sich der Markt rundum die mobile Musikproduktion rasant entwickelt. Die Apps werden ausgeklügelter und die Hardware leistungsfähiger. Man munkelte lauthals, das iPad ersetzt den Laptop. Das ist bis heute noch nicht ganz eingetroffen, wird aber wahrscheinlich in den kommenden Jahren so sein. Ist das gut, fragt man sich? Nun ja, ich behaupte mal, allein in der Musikproduktion, erleben wir mit den Apps, dank den neuartigen Oberflächen, die uns zum Umdenken anregen, neue Aha-Erlebnisse, die wir vergleichsweise mit dem vertrauten Computer so nicht hätten. So gesehen, ja -Das iPad ist für die Musikproduktion geeignet.

Start

Doch was braucht man, um mit einem iPad zu musizieren? Ganz klar ein iPad. Ich selbst besitze ein iPad mini (2012). Dann einpaar Apps und Kopfhörer und das wars vorerst. Eigentlich nicht viel. Das Setup ist klein, überschaubar und du kannst mit der Produktion beginnen. Der nächste logische Schritt ist ein Equipment-Upgrade mit einem iOS-unterstützenden Audio Interface (Soundkarte), Lautsprechern, Midi-Controller/Keyboard, passendem Adapter, passendem Daten-Kabel und vielleicht einem leistungsfähigerem iPad. Hier einpaar Inspirationen…


Was muss ich bedenken?

Wie bereits oben erwähnt, sollte man in Erwägung ziehen ein leistungsstärkeres iPad zu kaufen. Sofern du das nötige Budget verfügst, so auch direkt von Beginn an. Es gibt nichts schlimmeres als Frustration über zu wenig DSP. Glaub mir, wer ambitioniert herangeht, der scheitert spätestens an diesem Punkt: zu wenig POWER! Ich persönlich sehe mein älteres Model als eine Art Limitierung an. Ich kann nicht viel laufen lassen und konzentriere mich auf wenige Spuren und Apps. In meinem Fall dient das iPad in einem hybriden System im Zusammenspiel als eine Art Ergänzung. Dazu mehr unter «Für dich geeignet?». Schau dir nun die hier direkt unten aufgeführten YT-Tipps (von Jakob Haq) an und was sonst noch erwägt werden sollte… Übrigens, ich kann seinen YT-Blog wirklich nicht genug empfehlen. Ein Muss für iPad-Musiker.


OS vs Android?


Für dich geeignet?

So weit so gut. Doch eignet sich dieses System für dich oder liegt es dir vielleicht überhaupt nicht? Auf der einen Seite bietet das iPad samt seinen gebotenen Möglichkeiten, die von Jahr zu Jahr grösser werden, eine fantastische Spielwiese und auf der anderen Seite belächelt mancheiner die musikalische Produktion und glaubt ein Nice-to-Have-Gadget in seinen Händen zu halten. Für wen ist das iPad somit geeignet?

  1. Geschlossenes System: Mittlerweile gibt es sehr viele Musiker, die Musik einzig auf dem iPad machen. Und das sehr erfolgreich. Siehe Jakob Haq oder Henry The Buziness. Sie benutzen das iPad einzig und allein zur Produktion. Bedeutet, sowohl das Bedienen der Instrumente als auch die Aufnahme findet intern statt. Das iPad ist (mit Apps wie AUM, Audiobus oder Cubasis) die DAW.
  2. Hybrides System: Hier kommen mehrere Komponenten zusammen und das iPad dient meistens als Instrument oder Effekt in einer Kette. In meinem eigenen Setup des Sommers 2020 diente das iPad auf dem ersten Bild unten als Parallel-Effekt (die Soundkarte ist das Zoom U-22) oder als Midi-Effekt (die App Ribn steuert Midi-Parameter des H9 und Arcades) auf dem zweiten Bild. Weitere Beispiele für hybride Systeme kommen von Perplex On und Grzegorz Bojanek.
     ©Dominik Grenzler

3. iPad oder Android-Tablet als DAW (zB.: Cubasis): Der deutsche Elektroniker Stimmig nutzt sein Tablet im Studio als Computer-Ersatz. Er zeichnet auf und baut Tracks mit Steinbergs Cubasis.


Beispiele für Innovative Apps

Es gibt so viele tolle Apps auf dem Markt. Hier einpaar Beispiele, was es so gibt. Und es gibt noch viel viel viel mehr, gell!


Meine Favs

AUM
Drambo
Fuge Machine
Borderlands
Ribn
TouchOSC
Spacecraft
Samplr
iDensity
Synth One
SECTOR
SoundScaper


Fazit

Ihr habt euch eine Meinung gebildet. Ich denke, das iPad beziehungsweise die mobile Musikproduktion ist die Zukunft. Die Zeit bleibt nicht stehen. Ich geniesse den technischen Fortschritt. Bleibe aber gern bei meiner vertrauten Peripherie samt Haptik. Tue mich noch etwas schwer mit dem Thema iPad. Das iPad dient für mich persönlich als eine Ergänzung zu meinen Instrumenten, ist eine grosse Inspirationsquelle und keine DAW per se. Falls sich im Sommer mein Vorhaben erfüllen sollte, so habe ich vor eine Handvoll Tracks einzig auf dem iPad zu produzieren. Mal sehen, was kommt. Ihr hört dann von mir. Bis dahin viel Spass mit eurem iPad ;-)


Quellen: Youtube, Dominik Grenzler

Setup: Ästhetik

Es soll hier nicht um Racks gehen. Heute machen wir einen Vergleich, eine Gegenüberstellung von Setups zweier Künstler, die ich persönlich toll finde. Beide Setups funktionieren für sich, sind toll und ästhetisch. Biggi Veira habe ich mit GusGus während meiner Island-Zeit mehrmals live gesehen und liebe seinen konstanten «Doepfer-Sound». Auf YouTube gibt es eine Doku-Trilogie aus dem Jahre 2017, die sich sehr lohnt, um einen generellen Einblick in seine «aufwändige» Welt zu bekommen. Mit aufwändig meine ich die Zusammenstellung der einzelnen Geräte und dessen Verkabelung per se. In der Summe mag das vielleicht nicht viel sein, doch sobald man nach einem Fehler sucht, kann was auf einen zukommen. Ich persönlich stand den Tränen nahe, als ich Biggis Effekte¹ dann im Zusammenspiel hörte. Und hej, wenn so ein altes, «kleines» Nanoverb oder MX200² für ihn gut genug ist… (siehe All you need is… Racksystem?)
Das zweite Video ist über Julia Bondar’s Compact Techno Eurorack/MIDI Rig. Ich denke, ich muss nicht erwähnen, welches Setup Old School und welches New School in dem Sinne ist. In der nächsten Zeit werde ich auch das Thema iPad- und Pedalboard-Setup aufgreifen. Viel Spass beim Einblick in diese beiden spannenden Welten.

FAZIT: Der Begriff Old und New School wird allgemein gern und oft verwendet. Mir geht es einzig um die «Ästhetik» in dem Sinne und nicht um einen detaillierten Vergleich beider Künstler. Beide sind in ihrem Style und Sound-Design eigen und beide vertreten eine differenzierte Sichtweise. Auf den ersten Blick scheint Julias Setup mit dem modularen «Kabelsalat» viel komplizierter. Aber, die Kompaktheit macht die Musik, so auch bei Biggi.
Ich denke, dass jeder, der bereits mal elektronische Geräte für seine Bedürfnisse miteinander verkabelt hat, findet sich hier und da wieder. Ich persönlich bin hier so was von Old School! Das bin ich, auch wenn Julias Minimalismus aus mir herausschreit.

Quelle: Youtube


¹ Übrigens glaube ich nicht, dass Biggis Setup sich im Grossen und Ganzen seit 2017 viel geändert hat. Sicherlich paar neue, angepasste Module und sicherlich ein/zwei Effekte, die in der aktuellen GusGus-Produktion zu hören sind. Biggi bleibt sich treu ;-)

² Beide Effekteinheiten kosten fast nüschts mehr, vorausgesetzt man findet sie im schönen Zustand.

My Favorite Things 2020

Falls ich jemals auf einer einsamen Insel landen sollte, was ich natürlich nicht hoffe, müsste ich mir davor obligatorisch eine Liste gemacht haben mit Dingen, die mir ausserordentlich wichtig sind und ohne die ich dort nicht leben könnte. Nun, seien wir aber mal ganz realistisch: Da ich dieses Jahr niemals auf solch einer einsamen Insel stranden werde, erstelle ich einfach kurzerhand eine 2020-Liste mit Handlangern, die mir gegenwärtig in der Produktion wichtig sind. «My Favorite Things» oder besser gesagt «Dinge, die nur ich auf solch einer Insel für die Musikproduktion brauchen würde, da ich diese super cool finde!» ist meine neue, kleine Reihe.

«My Favorite Things» ist aber auch ein grandioses Jazz-Album des Talents Coltrane aus dem Jahre 1961, welches ich zufällig in Kyoto während der ausgedehnten Japanreise 2014 entdeckte und es seitdem uns begleitet. Immer im Auto. Immer da! Viel Vergnügen!

Als nächstes: My Favorite Things #1: Delays (Mac OS)…

Backstage with ME!

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Minimalismus im Studio und ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt – AROVANE

Kurz nachdem ich meinen letzten Beitrag veröffentlich-te, bekam ich eine Nachricht von meinem lieben Freund und Mentor, Uwe Zahn aka Arovane. Der Inhalt befasste sich mit dem Thema «Minimalismus» und ging auf die, von mir, zuletzt vorgeführte «Dean’s List» ein. «Minimalismus im Studio und ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt» – Ein kleiner Einblick in den Geist des grossartigen Schöpfers zeitgenössischer elektronischer Musik.


Wenn ich so an die vergangenen Jahre zurückdenke und die damit verbundenen Zyklen des Um-, Auf- und Abbaus meines Studios, vom Minimalismus bis zum „Überfüllismus” war alles dabei.
Jetzt arbeite ich mit dem Equipment, von dem ich denke, das es annähernd meiner Arbeitsweise entspricht. Es ist so aufgebaut, dass ich meine Ideen gut umsetzen kann. Aber das kann sich auch wieder ändern.

– Weil ich mich als Künstler stetig entfalte
– Weil sich meine Ansprüche ändern
– Weil sich die Technik verändert
– Weil meine Augen schlechter werden (und die Bildschirme größer…)


Das Studio. Die Technik. Das Equipment – in fortlaufend sich verändernder Zusammenstellung. Ein dynamischer Prozess.

Ein Aspekt, der mir aufgefallen ist, zieht sich als Konstante durch die Jahre: Quantität bedeutet nicht gleich Qualität. Da sind wir wieder beim Minimalismus gelandet. Die Schwierigkeit ist, für sich das passende Gerät, die passende Software zu finden, die genau meine Vorstellungen und meine Arbeitsweise abbildet. Wir sind in der glücklichen Lage aus einem Füllhorn von Angeboten zu schöpfen. Noch nie gab es eine solche Menge von Geräten, Synthesizern, Software. Wenn ich mir die Künstler des frühen 19ten Jahrhunderts anschaue, die z.B. mühsam Tonbandschnippsel montiert haben… Audioschnitte und Montage? Heute eine Frage von Sekunden, mit einer schicken Arbeitsoberfläche dargestellt und bis in die Einzelschwingungen der Wellenform möglich. Fantastisch!


Dean’s Liste berührt universelle Themen aber auch unsere Themen im Speziellen:

1. Nimm den Druck raus.
Eine Erkenntniss, die ich schon in der Ausbildung zum Erzieher und auch schon weit davor realisiert habe: Kreativität lässt sich nicht erzwingen. Also: Spiele und betrachte das Spielen als einen freien Raum. Ohne Ansprüche an Effektivität, Zweck, Sinnhaftigkeit  oder gar ans Monetisieren.

2. Organisiere deine Sounds/ Samples.
War ein Thema des „One to One”, wenn du dich erinnerst. Ein wichtiger Aspekt. Ich genieße es in meinen Samples herumzuwühlen. Viele Klänge sind mit Erinnerungen verknüpft und können sehr inspirierend sein, z.B. unsere Aufnahmen im alten Schuppen. (Im Mai habe ich Uwe in seinem Studio besucht. Hier der Blogbeitrag…)

3. Höre Synthesizer-Klänge.
…und von denen gibt es Myriarden! Ich finde mich oft in der Situation wieder, durch Klangbibliotheken der Hersteller zu arbeiten. Meistens bin ich schnell gelangweilt, schalte meinen Clavia Nord Rack 2 ein und drehe an wenigen Knöpfen und da ist sie, die Magie des „einfachen“, die Simplizität und die Konzentration auf wenige Klangparameter. Das Vergnügen mit sehr wenig Aufwand interessante Klänge zu erstellen.

4. Schaue dir deine unvollendeten Projekte an.
Ein wunderbarer Ansatz. In den 90ern war der Arbeitsweg: Improvisieren, in den Hardware-Sequenzer einspielen, wiedergeben, mischen, aufnehmen, fertig. Kein endloses Gedaddel am Computer. Keine eingeschränkte Reproduzierbarkeit. Wie wunderbar! Es hat den aufgenommen Stücken so eine Art „Endlichkeit“ gegeben. Fertig ist fertig ist fertig!

5. Neue Klänge, neue Inspiration.
Entgegen meinem Grundsatz: Keine gekauften Klänge in meinen Kompositionen zu verwenden, höre und schaue ich mir gerne kommerzielle Klangsammlungen an. Ich analysiere sie und lasse mich auch gerne inspirieren. Es gibt sehr gute, professionell erstellte Sounds. 

6. Lass dich nicht von deinem Weg abbringen.
Ich lasse mich treiben. Fange einfach an und lasse mich auf eine Reise mitnehmen, die im Chaos enden kann oder in der Genialität. 

7. Das Equipment unterstützt dich nicht in deiner Arbeit.
Dann ist Veränderung angesagt. Frage dich selbst:, Brauche ich das noch?. Was benötige ich? Hat das neue Plugin Funktionen, die ich nicht schon in drei anderen wiederfinde? Bietet mir der Synthesizer Möglichkeiten Klänge zu generieren, die ich noch nicht gehört habe? Zwingt mir die Software/ Hardware eine Arbeitsweise/ Denkweise auf, die mir widerstrebt? Klingt der neue, heisse Synthesizer anders/ besser durch Holzseitenteile oder eine farbige Lackierung?

8. Erforsche/ verfolge deine eigene Arbeit.
Ein schöner Ansatz. Wenn ich mir Kassettenaufnahmen aus den 80ern anhöre, denke ich, „Oh mann, klingt das Scheisse, aber die musikalische Idee war genial!“.

Quellen: Text: Uwe Zahn, Foto: Dominik Grenzler, Dean’s List

Die Leichtigkeit des Seins.

Minimalismus im Studio? Mein persönlicher Ansatz – Teil Zwei: That’s in my bag…

Wir gehen auf Reisen, wir gehen ins Studio, wir sind mobil. Doch je älter wir werden, desto weniger möchten wir «schleppen». Mir geht es jedenfalls so und ich fluche über jedes Kilo zu viel! Unser Komfort liegt eindeutig in der Leichtigkeit des Seins. Ich versuche diese für mich zu definieren… Viel Spass beim Lesen.

«That’s in my bag» beginnt eigentlich bei der Taschen-, Kofferauswahl. Schwamm drüber. Ich nehme was passt und nicht zu schwer ist. Das ist keine Schwarze Magie. Ich preise hier keine Produkte dieser Rubrik an und distanziere mich von jeglichen Amazon-Monetisierungsangeboten. Wenn ihr einen guten Reisebegleiter habt, der das teure Hab und Gut sicher von A nach B bringt – go for it. Do not buy a new one!

Es gibt sehr viele Videos im Netz über reduzierte Setups. Cockoo hat mal ein über einstündiges Video auf YouTube gepostet, in dem er sein Live-Setup präsentierte und ausführlich begründete. Ich finde, das ist eine tolle Sache, denn wir brauchen auch nicht super viel. Wir meinen es nur ;-)

Aus meiner Sicht ist es wichtig, stets fokussiert zu bleiben und folgende Fragen an sich selbst vorab zu stellen: Was ist die musikalische Idee? Wie komme ich dahin? Was brauche ich dazu? Auf das «Was brauche ich dazu?» möchte ich heute eingehen. Hier drei kurze und schnelle Beispiele aus meinem gegenwärtigen Setup. Grob als Anregung vorgeführt.

Minimal

Hier ist die Idee, so wenig wie möglich mitzunehmen. Was nicht mit ist, wird nicht ersetzt. Es gibt keine grossen Spielräume. Man hat, was man hat und performt damit. Die musikalische Idee wird auf diese Art und Weise von Anfang an geformt oder wiedergegeben. Es gibt Aufnahmegeräte, wie das Zoom H4n, die auch als Interface eingesetzt werden können. Solch eines kommt mit. Immer! Ein kleiner Standalone-Sampler oder Synth, Kopfhörer samt Kabeln. Oder ganz einfach dein Computer. That’s it!

Klein, leicht – Das reicht.

Kleine Performances und Sessions sind einfach vorauszuplanen. Im Prinzip braucht es nicht viel. Vorausgesetzt man hat sich darüber Gedanken gemacht, denn das ist der erste Schritt. Wem es nicht liegt voraus zu planen, der entscheide weise spontan. Hat man mehrere Hardware-Controller entscheidet man sich für ein Kompromiss aus Funktionalität und Grösse und Gewicht. Auf dem unteren Foto habe ich alle meine gegenwärtigen Controller (abgesehen vom UF 5 Oktaven Keyboard) abgelichtet. Spontan entscheide ich mich für das Launchpad Pro von Novation. Als mobile Soundkarte nehme ich das Apogee One. Die kleine Zoom nutze ich normalerweise fürs iPad und das Zoom H4n samt Tripod für Aussen- oder spontane Aufnahmen ohne Computer. Die grosse Akai EIE Pro (nicht auf dem Bild) lasse ich zu Hause. Kabel und Stromadapter sind nicht mit eingezählt. Dieses Setup braucht eigentlich nur zwei USB-Kabel, vielleicht vier bis sechs gute Audiokabel und eine gute Stromsteckerleiste. Das ist eigentlich alles. Bei Kopfhörern entscheide ich mich meistens für die Grossen. Irgendwie mag ich das besser so ;-) Mixer und Speaker sind natürlich noch eine andere Sache. Ich versuche die Mitnahme möglichst zu vermeiden. Mein Rücken dankt und die Clubs und Musikerfreude sind meistens gut ausgestattet. Will man seine Pedale als Hardware mit einsetzten, kommt eine weitere Tasche dazu. Cool ist ein Delay und Reverb im Send/Return-Kanal. Oder ausgefallene Granulareffekte in Kombination mit Delay und/oder Reverb. Wer es mag, nimmt vielleicht noch einen Kassetten- oder MiniDisc-Recorder mit oder ein externes Instrument. Aber dann sollte es auch schon wirklich reichen. Mein Punkt ist: Was auch immer verwendet wird, ob Modular, Drum-Machines, Gitarre ect. weniger ist mehr und wahrhaftig – auf der Bühne oder bei einer gemeinsamen Session – man hat schon genug zu tun mit dem, was man hat! Wichtig ist noch, dass das Setup vor allem, für eventuelle Improvisationen, flexibel genug ist. Im Studio darf diese Denkweise genauso gelten. Ich denke einfach, es muss nicht ausarten.

Maximal – Dein Rücken dankt dir später!

Eines meiner kommenden Projekte findet in Winterthur statt. Ich treffe einen Klavierspieler, den ich aufnehmen werde. Seine Räumlichkeiten sind akustisch schön, ganz zu schwiegen von der inspirierenden Optik. Unser gemeinsames Projekt sieht vor, das Klavier aufzunehmen und es akustisch zu «verfremden». Live oder post. Ich habe vorab geklärt, welches Aufnahmeequipment wir benutzen werden. Was möglich ist und wieviel es brauchen wird. Das «wieviel es brauchen wird», ist immer eine Daumenansage, aber hier liegt man oftmals erfahrungstechnisch richtig. Weniger ist mehr, mit einem As im Ärmel! So, die Mikrophone fürs Klavier sind in Winterthur, Kabel und Mischpult ebenfalls. Da ich sowohl mit dem Computer als auch mit meinen Pedalen arbeiten möchte, habe ich für mich direkt eine Vorab-Auswahl getroffen und in Erfahrung gebracht, was es sonst noch an interessanten Hardware-Geräten vor Ort gibt. Aha, ein Lexicon-Reverb. Das könnte ich eventuell benützen. Top, somit kommt mein Mac samt kompletter interner Peripherie mit. Wahrscheinlich werde ich keinen Midi-Controller mitnehmen, denn die Aufnahmen kann ich mit der Maus oder dem Pad steuern. Im Falle einer «Live-Verfremdung», damit sind generell Dornes und andere elektronische Spielereien gemeint, käme eventuell für die Steuerung mein Ableton Push mit. Für die Audioaufnahmen kommt meine EIE Pro Soundkarte samt den Beyerdynamic DT 990 Pro Kopfhörern mit. Mein Padelboard bestücke ich mit dem Strymon Zuma für die Stromversorgung der Pedale, Deco, El Capistan, Memory Man Deluxe ’90er Version, Zoom MS-70, Neunaber Reverberator, Superego Plus, einem BitCrusher und Alesis AirFX mit dem Kaoss Pad 3. Die Reihenfolge steht noch nicht fest. Entweder in Serie oder parallel. Das wird reichen. Vielleicht sind es sogar zu viele Pedale, aber das eine oder andere könnte das besagte As im Ärmel sein (MS-70). Falls nicht, ich habe ja noch meinen Computer dabei… Und nun ja – Alles andere ergibt sich… Das Gewicht ist hier enorm höher und man hat viel mehr zu tragen. Ich habe das kurz vorhin zusammengestellt und bin auf easy mehrere schwere Kilo zusammengekommen. Vor allem mit dem Pedalboard. Vielleicht überdenke ich das Ganze nochmals. Ich habe ja noch etwas Zeit…!


Fazit:

Kurzum, wieviel brachen wir, um akzeptabel performen zu können? Wieviel brauchen, um im eigenen Studio gute Arbeit zu verrichten? Ich denke im Grossen und Ganzen braucht es wirklich nicht viel. Was wir aber brauchen, ist die Erkenntnis, was und wieviel wir wirklich brauchen. Und diese kommt mit der Erfahrung. Und die Erfahrung kommt mit der Zeit. Jeder wird zum «Meister» mit der Zeit und findet für sich heraus, was er nötig hat und wieviel. Noch besser gesagt, man wird zum «Meister der Kompromisse». Und das ist für mich hier die Essenz. Was und wie viel man sich an Equipment leistet oder leisten kann, ist nicht das Thema. Wenn die musikalische Idee mit einem Gerät/Plug-in umgesetzt werden kann. Soll es so sein. Also, Gedankenstützen sind gut, tausende von Videos sind gut, Empfehlungen sind gut – Selbst herausfinden ist der einzige und richtige Weg!

Nächste Woche geht es weiter mit: I failed!

Umwege erhöhen die Ortskenntnis

Minimalismus im Studio? Mein persönlicher Ansatz – Teil Eins.

Seit längerer Zeit befasse ich mich mit dem Minimalismus. Der Begriff ist im Alltagsleben omnipräsent. Beruflich, privat, Hobby-bezogen. Doch ist dieser Ansatz der Richtige für einen? Ich versuche es für mich herauszufinden… Viel Spass beim Lesen.

Ich habe mein Home Studio umgebaut. Ich veränderte es bereits zum vierten Mal innerhalb von neun Monaten. Dieses Mal jedoch handelt es sich um eine längerfristige Lösung, die bis Mitte 2020 anhalten darf: Anpassungen an der Ergonomie, Aussortierung des Equipments samt allgemeiner Verkabelung und Entrümpelung der Arbeitsfläche. Mein Plan sieht vor, das Home Studio so gut auf die kommenden Projekte vorzubereiten, dass ich ohne grössere Veränderungen und Anschaffungen auskomme. Also bis Mitte 2020. So der Plan.

Diesen Antrieb gab mir letztendlich BoBeats mit seinem 5–Tipps–Video zum Thema. Als ich es vor wenigen Tagen gesehen habe, stellte ich fest, es wird Zeit. Ich muss etwas unternehmen. Wieder eine Ecke nur für mich! Nachdem ich mein eigentliches Studio Ende 2013 aufgab und das Schlafzimmer einzog, genoss ich das minimalistische Setup: Mac, Akai MPK Mini und meine Kopfhörer. Für Aussenaufnahmen benutzte ich nach wie vor den Zoom H4n. That‘s it. Mehr brauchte ich nicht ausser einen Sessel und Kaffee. Doch seit letztem Jahr begann ich wieder intensiver Musik zu machen, die Labelarbeit für EndTitles stieg an und ich brauchte wieder etwas mehr Platz. Zudem kam ich meiner Freundin dauernd in die Quere. Ich wechselte mehrmals die Schreibtische in der Wohnung und suchte nach „meinem“ Platz. Als Kaffee trinkender Sessel-Musik-Nomade sah ich vor zum festen Platz zurück zu kehren. Und ich fand meinen Platz. Ich richtete mir alles so ein, wie es für meine Arbeitsweise am bequemsten war und installierte Licht. Seit mehreren Tagen arbeite ich nun an diesem besagten neuen Platz und bin super happy damit. Ein Foto folgt bald.

Umwege erhöhen die Ortskenntnis

Ich denke, dass jeder Musiker, auf die eine oder andere Art und Weise, solch einen Wandel für sich selbst macht. Im Songwriting, in der generellen Organisation. Berufsbezogen oder privat. Vielleicht ist die Dynamik im Wechsel der Schlüssel? Von viel zu wenig und wieder zurück. Ich habe minimiert. Dieser Zustand machte mich für eine bestimmte Zeit sehr glücklich. Schnell zur Sache kommen ohne viel Ablenkung und Umweg. Jetzt bin ich wieder da angekommen, wo ich 2013 gewesen bin, als alles zu viel war. Halt nur mit neuen Ansätzen und Erkenntnissen, die es mir trotzdem ermöglichen die persönliche Organisation minimalistisch zu halten. Eigentlich ein völlig neuer Weg für mich. Eine neue Erkenntnis. Neuer Ansatz. Ich bin gespannt…

Nächste Woche geht es weiter mit: That‘s in my bag?

All you need is… well, don’t make these mistakes

Neulich habe ich einen YouTube-Beitrag zum Thema Gear-Demos gesehen und es hat förmlich aus mir heraus geschrieen: «Ja, Herr Wampler. Absolut!» Habt ihr es auch, dass ihr euch ein Demo anschaut und eigentlich klinget irgendwie so ziemlich alles gleich?! Mir geht es so.

Ich nehme dann mal diese Kopfhörer, dann wieder andere und alles nur um den Unterschied zu hören. Aber oftmals klingen die präsentierten Geräteeinstellungen (vor allem bei Pedalen, denn dafür interessiere ich mich bei den Demos am meisten) fast identisch. Die Nuancen gehen vollkommen unter. Ein Reverb anhand von einem Demo-Video als gut oder schlecht zu befinden, finde ich als nicht richtig. Das Urteil kann nur gefällt werden, wenn man das Gerät selbst angetastet hat. Das ist der einzige Weg.

Ein anderer Weg ist jedoch die Intuition. Mit der Zeit entwickelt man ein sogenanntes Händchen und kann aus Erfahrung, selbst bei mässigen Produktevideos erahnen, worum es sich da handelt (Oder man bringt ein enormes Vertrauen dem Hersteller gegenüber und kauft alles, weil alles super ist und spart sich das Lesen des weiteres Textes hier!). Dann sucht man im Netz nach Informationen wie Manuals und weiteren Videos oder Audioaufnahmen. Die Intuition hilft vor allem auch, wenn unglaubliche Neuheiten aus den Staaten vorgestellt werden. Zum Beispiel, manche Pedale aus den kleinen Boutiquen der USA bekommt man in Europa nichts leicht oder gar nicht. Das muss man sich mit den YouTube-Videos begnügen. Und das machen wir ja auch!

Wamplers Beitrag: «Don’t make these mistakes», den ihr unten in voller Länge anschauen könnt, ist ein Beweis für die Objektivität, mit der wir an die Demos herangehen müssen. Allerdings stimme ich der Aussage: «…Gerät kaufen, ausprobieren und wenn es nicht gefällt wieder zurückbringen…» nicht zu! Selbst bei einer Vereinbarung mit dem Händler ist es für den Händler allgemein eine Arschkarte das Gerät wieder zurück zu nehmen. Ich weiss wovon ich spreche! Ja, zu Hause in der vertrauten Umgebung mit eigenen Geräten klingts letztendlich so, wie es sein soll. Ihr wisst aber schon, was (nehmen wir mal die grossen Online-Distributoren) bei Amazon, Zalandoo und all den anderen passiert, die die Ware ständig zurückgeschickt bekommen?! Nicht weil sie defekt ist, in keiner weise, sondern wir diesen Service restlos ausnutzen. Frei nach dem Motto: Einmal anspielt oder anziehen, Selfie schiessen und zurückschicken. Der Aufwand ist so enorm, dass dieses Volumen kompensiert wird und Kosten verlagert werden. Zu Ungunsten zB. vom Personal. Hier erwähne ich nicht wie viel Aufwand das Zurückschicken auch für einen selbst ist.

Die kleinen, lokalen Dealer werden sicherlich kein Geld herausgeben, sondern bei Rückgabe eine Art Gutschein ausstellen. Das Geld bleibt im Geschäft. Ich empfehle vom Herzen deinen Dealer aufzusuchen, sich mit ihm auszutauschen und das Gerät der Wahl vor Ort auszuprobieren. Neulich war ich in Basel bei House of Sound. Eine Woche vor meiner Reise habe ich sie angerufen und gesagt, was ich brauche und anzuspielen wünsche. Kein Problem. Für mich ist das der beste Weg. Dieser ist mit einem gewissen Aufwand verbunden, aber um sicher zu gehen bevor ich falsch kaufe…

Nächste Woche geht es weiter mit dem Thema: All you need is… Voltage, Ampere and God knows what else on your favorite Pedal!