Mastering the Pedal: Kaleidoscope by JPTR FX

In einem der vergangenen Beiträge  zum Thema «All you need is a Reverb» listete ich unter anderem zwei meiner Reverb-Pedale, die ich «gern hätte»: Kafka von Orion Effekte und Ama von AC Noises. Erstaunlicherweise entschied ich mich letztendlich für das weniger bekannte Kaleidoscope aus der Schmiede JPTR FX und bin mit meiner Entscheidung happy. Ich stelle mir im Prinzip immer die Frage, was kann da noch Neues an Klangbild kommen und wie viel braucht man mehr an Equipment, das unter Umständen ähnlich funktioniert und entsprechend ähnlich klingt!? Welche Chips werden verbaut und so weiter. Ganz ehrlich, ich weiss es nicht, jeder wie er oder sie es mag, aber die Tendenz ist ganz klar wieder nach oben. High End-Editionen wie das Mako D1 von Walrus sind so ein Beispiel. High Fidelity als Gegenbewegung zu Lo-Fi. Klingt mega, aber aber aber. Ihr wisst was ich meine. Nun, das Kaleidoscope ist alles andere als Hi-Fi. Es ist laut und dirty und sauber verbaut. Tauchen wir ein…

Das Kaleidoskope ist ein sehr spannendes Pedal. Schon beim ersten Antesten wird schnell deutlich, wie sehr das Feedback- und das Reverb-Poti miteinander interagieren. Doch wie das Ganze miteinander letztendlich wirklich funktioniert, war die grösste Frage seit dem ich das Polymoon von Metis zu «meisterten» versuchte. Zum Thema Polymoon bald mehr. Ich brauchte zwei-drei Nachmittage, um es selbst heraus zu finden. Dann suchte ich ein Manual. Dieses habe ich als JPG weiter unten aufgeführt. Es gab zu dem ein wirklich gutes Youtube-Video von Stefan Fast (The Pedal Zone), das ich gern aufgeführt hätte, doch leider ist es nicht mehr online. Dafür gibt es dieses von Sofa Jams.

Von ganz dezentem Hall, bis hin zu einem wilden Noise-Rausch, lässt sich der Effekt mit den zwei Reglern wunderbar formen. Dreht man die Verzerrung (Gain) nach und nach auf, wird der Sound nicht nur zunehmend schmutziger, auch die Hallfahne wird länger und komprimierter. Hier bedarf es – je nach gewünschtem Sound – einer Feinabstimmung der vier Regler, um den Klang des Kaleidoscopes unter Kontrolle zu halten. Neben dem Bypass-Switch finden wir zwei weitere Schalter. «Hold» lässt das Gerät in eine Art «Freeze-Modus» schicken und in sich selbst oszillieren. Wie heftig dieser Effekt ausfallen soll, lässt sich mittels des Swell-Amount-Reglers gut kontrollieren. Der dritte Fußschalter mit der Bezeichnung «Kill», schaltet das trockene Signal ab und lässt nur noch das Effektsignal erklingen. Vor allem für experimentelle Swell-Sounds ist das eine tolle Sache. Mit dem Hold-Taster lässt sich natürlich allerhand Schabernack treiben. Je nachdem wie der Swell-Regler eingestellt ist, brechen beeindruckende Krachwellen über einen herein. 


A Multi Reflector Unit: A pedal’s musicality is fundamental at JPTR FX. So, whether you use the pedal with your guitar, bass, drums, synths or even vocals to further explore the cavernous and layered reflective depths within, the KALEIDOSCOPE was designed to complement and adapt to all manner of musical styles and input signals. Roll back the reverb and dime the feedback control for lush, rhythmic wobbles that twist and gyrate along to your sound-beds or turn everything up for a saturated, sustained sound. The Compression Dial comes right after the reverb, which really helps to really push your tails – as the reverb fades out, the compression pulls it back up to helping to elevate your seat in the mix. At the same time, 3 separate control stages offer you instant shifts in depth, texture and oscillation, ranging from the warm and haunting cloudscapes we have come to love, to an all-wet, crispy whisper with the help of the designated Kill-Dry Switch. Plus – and if the mood strikes – push and hold the momentary switch at the heart of the KALEIDOSCOPE ‘s enclosure to extend your drones into perpetuity. (JPTR FX)

Es ist immer toll zu sehen, wenn sich ein Hersteller wie JPTR FX so rasant entwickelt. Mit den bisweilen etwas rustikal konstruierten Geräten der Anfangstage, haben unsere Testpedale zumindest in Punkto Qualität und Verarbeitung nichts mehr zu tun. Ganz im Gegenteil: JPTR FX reiht sich damit in die Riege der wirklich großartigen Boutique-Hersteller aus Deutschland ein und muss sich vor niemandem verstecken. Was noch immer geblieben ist, ist die völlig kompromisslose Herangehensweise, mit der Chris Jupiter den Sound seiner Pedale abstimmt. Hier müssen die Ohren wirklich einiges ertragen und vor allem Pedale wie der Super Weirdo sind klanglich – natürlich im positiven Sinne – eine echte Herausforderung! (Gitarre & Bass)

Fazit: Während meinen Tests mit der Bass-Gitarre entschied ich den «Kill» immer anzulassen. Fügt einfach Saft hinzu. Der Reverbsound allein ist seh schmutzig und weniger «Ambient» als erwartet. Ich habe Videos gesehen, die einen «Ambient-Sound» samt Möglichkeiten anpriesen, die mir leider bis jetzt verborgen blieben. Das Pedal kann aber als eine Art Kompressor dienen mit leichten bis schweren Oszillationen. Aus Neugier verband ich das Kaleidoscope mit dem Superego Plus. In dieser Reihenfolge entstand ein seltsames Grundrauschen, welches aber in der umgekehrten Reihenfolge wiederum nicht mehr auftauchte. Das Kaleidoscope mag es eben am Schluss der Kette zum Einsatz zu kommen. Ebenso gefiel mir das Kaleidoscope sehr im Send/Return des Superego Plus. Weiter vergleich ich den analogen Kaleidoscope-Sound mit paar «analogen» Pedalen auf Oszillation, mögliche Kompression, Reverb und «allgemeines Klanggefühl» und entschied mich eben aus diesen Gründen für das Kaleidoscope. Es hat eben etwas, das die anderen Pedale und vor allem vergleichbare Reverbpedale nicht haben. Bei solch einem speziellen Pedal ist es natürlich immer so eine Sache. Hier ist eben die Frage, was genau einem wichtig ist.

Ein gar nicht so unähnlich aber sauberer klingendes Hallpedal, welches ebenfalls in Deutschland gefertigt wird, wäre das Kafka Reverb von Orion Effekte. Hier haben wir einen ebenfalls interessanten Sound aber eben ein bisschen weniger Ausstattung. Und genau aus diesem Grund kontaktierte ich vorletztes Jahr die Schmiede auf ein V2. Dieses sollte September letztes Jahr für mich gemacht werden. Als Prototyp. Doch dazu kam es nicht und ich bezweifle auch mittlerweile, dass es jemals einen Kafka V2 geben wird!!! Im Grossen und Ganzen war es mir persönlich eben wichtig, mehr Zerre und Wärme zu haben, die in speziellen Fällen zur Geltung kommen darf. Als Bonus kam der eingebaute Gain/Kompressor-Regler und das Alles in einem Hall-Pedal! Somit führte mich meine Entscheidung in erster Linie nach Norddeutschland zu JPTR FX.

Quelle: Youtube, JPTR FX, Gitarre & Bass

All you need is… a Cab Simulator

Die Cab-Simulationen sind gegenwärtig in aller Munde. Man stöpselt ein und spielt mit vertrautem Sound über Kopfhörer oder die PA. Eine wunderbare Lösung. Im Oktober hatte ich das Vergnügen drei Cab-Simulatoren auszuprobieren. Das war noch kurz bevor Strymon das Iridium herausbrachte. Dieses hätte ich auch gern gehört, leider bekam ich nicht die Möglichkeit. Nun, Radar vs. Torpedo vs. Iconoclast. Wie immer habe ich recherchiert und entsprechend passende Videos auf Youtube, der unendlich tiefen Fundgrube, gefunden. Ich selbst produziere keine Videos; glücklicherweise hat Pete Thorn alle drei Geräte getestet. Somit kommt alles aus einer und der selben Hand. Tauchen wir also hinein…


Mooer: RADAR

Der Mooer Radar präsentiert sich als eine äußerst clever designte Speakersimulation, die durch die Qualität von Impulsantworten modernen Standards gerecht wird. Die Auswahl an Amps und Mikrofonen, der optionale EQ und die optionale Endstufensimulation machen das Kästchen zu einem universalen Recording- und DI-Tool und qualifizieren es auch als Backup für die Gitarrentasche, falls der Amp beim Gig versagen sollte. Zusätzlicher Pluspunkt ist die Möglichkeit, externe IRs zu laden, wodurch man ein sehr offenes und flexibles Konzept an Speaker-Optionen zur Hand hat. Der «Off-Label»-Use als Reverb oder Akustikgitarrenveredler kommt noch hinzu. Unterm Strich bleibt: Der Radar ist ein Knallerteil, zumal er jetzt 1024 Samples beherrscht und die Editiersoftware auch Mac-kompatibel ist. Die Möglichkeiten in Kombination mit dem Preis, der Größe und der Qualität sind so üppig, dass man bedenkenlos zum Kauf raten kann. Für alle, die eine saubere DI-Lösung suchen, herrscht Antestpflicht!

  • TECHNISCHE SPEZIFIKATIONEN
  • Hersteller: Mooer
  • Name: Radar
  • Typ: Speakersimulation auf Faltungsbasis
  • Herstellungsland: China
  • Display: Farb-LCD Display
  • Regler: Regler mit Dreh- und Schaltfunktion
  • Anschlüsse: 6,3 mm Mono-Klinken Ein/Ausgang, 3,5 mm Stereo Headphone, USB
  • Stromversorgung: 12 Volt DC-Netzteil (im Lieferumfang)
  • Stromverbrauch: 300 mA
  • Abmessungen (L x B x H): 94 x 43 x 50 mm
  • Gewicht: 143 g
  • Verkaufspreis: 129,00 Euro (Februar 2018)

Two Notes: Torpedo C.A.B. M

Der Two Notes Torpedo C.A.B. M liefert eine sehr flexible Speakersimulation im Pedal, die sich sehr gut für Bühne und Studio eignet, wenn man sich das Mikrofonieren sparen möchte bzw. einen Amp nicht laut aufdrehen kann. Im Angebot sind eine große Bandbreite an Cabs und Mikrofonen, deren Position wie im realen Leben verändert werden kann – mit dem Unterschied, dass kein Bühnenarbeiter oder Mitmusiker das sorgfältig eingestellte Mikrofon umwirft. Der integrierte Reverb hilft dabei, den Gitarrensound für Aufnahmen etwas plastischer darzustellen, und mit dem 6-Band-EQ lassen sich Feineinstellungen im Frequenzbild vornehmen. Das Einstellen mit der Two Notes Remote-App funktioniert problemlos und intuitiv. Klanglich kann das komplette Konzept absolut überzeugen und stellt eine klare Alternative zur Mikrofonierung dar. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut.

  • TECHNISCHE SPEZIFIKATIONEN
  • Hersteller: Two Notes
  • Modell: Torpedo C.A.B. M
  • Typ: Speaker-Simulator im Pedalformat
  • Regler: Parameter/Preset, Volume/Value
  • Schalter: Ground Lift, Input Level
  • Anschlüsse: Amp In, Speaker Out, USB, 9V DC, Headphones, Aux In, DI Out, Line Out
  • Cab Sim: 32 virtuelle Lautsprecherboxen, 8 Mikrofontypen, 8 Endstufensimulationen, 8 Raumsimulationen
  • AD/DA Wandlung: 24 Bit, 96 kHz
  • Stromaufnahme: 200 mA
  • Spannung: 12V DC
  • Display: OLED
  • Speicher: 100 Presets
  • Maße: 103 x 121 x 64 mm (B x T x H)
  • Gewicht: 448 Gramm
  • Verkaufspreis: 287,00 Euro (Juni 2019)

Neunaber: ICONOCLAST

Mit dem Iconoclast hat Neunaber Audio aus den USA ein ausgesprochen interessantes und vor allem sehr gut klingendes Speaker-Simulations-Pedal auf dem Markt, das auf allen Ebenen überzeugen kann. Es ist auf hohem Niveau gefertigt, die Bedienung ist intuitiv und mit der kostenlosen PC- und Mac-Software erreicht man weitere Parameter jenseits der Regelmöglichkeiten des Pedals. Außerdem bietet die Software die Möglichkeit eines Stereo-Enhancers, der ganz hervorragend klingt! Das Iconoclast ist zwar kein Schnäppchen, aber definitiv jeden Rappen wert.

  • TECHNISCHE SPEZIFIKATIONEN
  • Hersteller: Neunaber
  • Bezeichnung: Iconoclast
  • Herstellungsland: USA
  • Effekt-Typ: Speaker Emulator
  • Regler: Kopfhörer, Low, Mid, High, Gate
  • Anschlüsse: 2 x Mono/Stereo-Eingang, 2 x Mono/Stereo Ausgang symmetrisch/unsymmetrisch, 9-V-Netzteilanschluss, 3,6 mm Kopfhörer
  • Abmessungen: 116 mm x 68 mm x 47 mm
  • Gewicht: 227 Gramm
  • Batteriebetrieb: Nein
  • Besonderheiten: Software für weitere Regelmöglichkeiten
  • Ladenpreis: 289,00 Euro (August 2017)

Fazit: Ich teste diese Simulatoren auf meinem Bass-Pedalboard, auf dem bereits einige Dirt-Pedale (Overdrive und Fuzz) und das Boss EQ-200 Platz haben und hänge zum Schluss der Kette nacheinander je einen Cab-Simulator dran. Ganz ehrlich, vom Handling her ist das Radar mein Favorit. Es ist klein (Bitte nicht von der Verpackung beirren lassen!) und schön verarbeitet. Passt in jede noch so kleinste Tasche und Lücke auf dem Pedalboard. Trotz aller Features und Möglichkeiten gefällt mir der Sound nicht. Ich habe Mühe den Signalpegel einzustellen ohne, dass er übersteuert. Seltsam aber wahr. Vielleicht war das Gerät defekt, vielleicht habe ich was falsch gemacht? Das Torpedo C.A.B M hingegen gefällt mir vom Sound her sehr gut. Auch hier trotz aller Features (Cab Simulation, IR Loader mit Reverbs, EQ und aller physischen Anschlüsse, die man braucht oder auch nicht) verliere ich mich leider im Sumpf der Möglichkeiten. Sagen wir es mal so: Ich möchte eigentlich direkt loslegen und nur etwas justieren, damit der Sound für meine Ohren klingt. Hier haben die Franzosen solch ein interessantes Produkt auf den Markt gebracht, dass es für meinen Geschmack wiederum zu viel wird und mit der Software erst recht! Ganz grosses Kino. Das Torpedo ziehe ich dem Radar eindeutig vor. Nun, es bleibt noch der Iconoclast. Neunaber haben das was Tolles fabriziert. Sehr einfach und geradlinig. Das Pedal ist selbsterklärend. Ruck-Zuck ist der Sound eingestellt und ich lege los. Will ich tiefer eintauchen, so gehe ich an die Software. Diese ist ebenfalls selbsterklärend und minimalistisch aufgebaut. Keine Ablenkung, einfach ein direkter Weg. Der Iconoclast klingt für mich auf Einhieb schön und warm und verträgt jegliches Signal, welches ich schickte ohne zu übersteuern etc. Das gefällt mir.

Ich empfehle das Iconoclast allen, ob Gitarristen oder Bassisten, die einen ausgewogenen Sound wollen ohne davor viel Zeit mit Einstellungen zu verbringen, was selbstverständlich auch Spass machen kann ;-)

Dieses Jahr möchte ich gern das Iridium von Strymon und das Helix HX Stomp von Line 6 hören. Vielleicht klappt es und vielleicht dann aber mit einer grösseren Versionen von Iridium. Ich bin gespannt was Strymon Ende des Monats auf der NAMM so präsentieren werden…

Quellen: Youtube, Bonedo

MOOD, is it worth or is it DOOMed?

Ende 2019 hatte ich es und ich hab versucht es zu lieben. Ich hab’s geliebt und und wir sind doch keine Freunde geworden. Um klar zu sein, das MOOD ist cool. Es macht Spass. Es ist kompakt und fantastisch verbaut. Die Regler sind erste Sahne! Der Klang ist toll. Chase Bliss Audio sind hier eine spannende Zusammenarbeit eingegangen. Die linke Hälfte gestaltet von Old Blood Noise Endeavors samt Reverb, Delay und Buffer kommt gut. Das Reverb klingt solide gut. Richtig spannend wird’s im Zusammenspiel mit der rechten Seite (Drolo FX), die das Pedal letztendlich mit der Clock meiner Meinung so aufregend macht. Das ist nämlich richtig mega! Hier entsteht Granular und Glitch. Alle drei Einstellungen: Envelope, Tape und Stretch sind fantastisch. Hinzu kommt der Schnick-Schnack hinten und die Zusätze von Preset-Speicherung, des Midi- und Expression/CV-Anschlusses. So weit so gut.

Doch die Kehrseite ist die, dass nach all meinen angeschauten Videos, gelesenen Manuals etc. der Spassfaktor lediglich auf der Micro-Loop-Seite geblieben ist. Somit habe ich lediglich Texturen durchs Looping erstellt und die linke Seite fürs Reverb-Smearing gebraucht. Voll in Ordnung, aber wie gesagt, für mich blieb’s wirklich nur bei der Micro-Looping-Seite des MOODs. Für mehr reichte die linke Seite trotz des Buffers für mich persönlich nicht aus! Gott sei Dank kommt der Blooper demnächst. Gestern Abend habe ich noch gedacht, nach dem ich ein Demo gesehen habe: Chase Bliss hätten meine Gedanken gelesen – Hier kommt das ultimative Teil fürs Micro-Looping. Hier wird «die rechte Hälfte des MOODs» voll ausgeschöpft. Yeah! Ich freue mich… Hier ein kleiner Vergleich.

Hinzu kommt, das MOOD ist leider in mono (Auch der Blooper!) Für mich ist es ein tolles Pedal, welches ich leider in meinem Einsatz nicht öfters einsetzten kann und das wollte ich doch sooo gerne! Sehr schade. Danke Joel Gilardini für die Test-Leihgabe.

Quellen: Chase Bliss Audio, Youtube, Guitarpedalx

ALL YOU NEED IS … 9V or 18V?

Bei Gitarreneffekten sind 9V immer noch der Standard, an dem sich (fast) alle Hersteller orientieren. Doch wer hat diese Norm festgelegt? Und sind 9V wirklich die beste Option für Effektgeräte?

Die ersten Effektpedale

Wenn wir zurückschauen, dann sehen wir, dass die ersten Gitarreneffekte noch keinen Netzteilanschluss hatten. Die meisten Pedale wurden durch einen 9V-Block mit Strom versorgt. Dazu gehören die ersten Wahwahs, Fuzz Faces und Booster. Selbst später in den 80er und 90er Jahren hat EHX unter dem Label «Sovtek» Big Muffs hergestellt, die nur mit einer Batterie betrieben werden konnten. Es gab natürlich Ausnahmen und so wurden auch Pedale mit zwei 1,5V Batterien oder mit einem eigenen Netzteil hergestellt.

Während bei dem Zubehör für Synthesizer meist Netzteile mit einem Netzstecker mit einem positiven Tip üblich waren, hat sich bei Gitarreneffekten ein Netzstecker mit einem negativen Tip durchgesetzt. Gerüchten zufolge geschah dies, weil Boss zu seinen Effektgeräten auch gerne seine eigenen Netzteile verkaufen wollte, aber wie gesagt: das ist ein Gerücht, ob es wirklich so war, wer weiß?

18V oder mehr?

In der Anfangszeit hatte man sich vermutlich nicht so viele Gedanken darum gemacht, ob und wenn ja, warum es Sinn machen könnte, ein Effektgerät mit mehr als 9V zu betreiben. Aber heute sind viele Effektboards mit Effekten auf Studioniveau ausgestattet und man hört selbst feinste Nuancen. Der legendäre Klon Centaur wird rein theoretisch ebenfalls mit 9V versorgt, verdoppelt diese aber intern auf 18V. Auch einige andere Hersteller geben bereits in den Gebrauchsanweisungen an, dass ihre Verzerrer mit bis zu 18V versorgt werden können (z.B. FulltoneJHSXotic).

Doch was bewirkt die höhere Volt-Zahl?

Das Klangergebnis wird in der Tat verändert: Der Klang wird offener und weniger komprimiert. Er erscheint weniger mittig und dafür höhenreicher. Die Dynamik nimmt zu. Nicht jeder mag diesen Klang und daher bleiben viele bei den empfohlenen 9V. Und trotzdem kann ein Verzerrer, der mit 18V betrieben wird, einen sehr guten Klang haben.

Geht noch mehr?

Aber auch 18V ist noch nicht das Maximum für Gitarreneffekte. In der Studiotechnik werden mittlerweile einige Geräte mit 24V betrieben.
Der Hersteller Hudson Electronics, der mit dem Broadcast einen Verzerrer entwickelt hat der auf einem Mischpult basiert und sogar einen Transformator beinhaltet, erlaubt sogar einen Betrieb seinen Pedals mit 24V. Dies macht sich klanglich deutlich bemerkbar, da das Gitarrensignal sehr viel druckvoller und frischer klingt. Auch der legendäre Deluxe Memory Man wurde mit 24V betrieben und klang richtig gut. Sogar sehr, sehr gut!

Wäre es nicht vielleicht sinnvoll, zukünftig auch Modulationseffekte, Multi-Effekte und digitale Delays mit mehr als 9V zu betreiben? In einer Zeit, in der große Effektboards ohnehin mit hochwertigen und leistungsstarken Multinetzteilen versorgt werden, ist dies rein technisch kein Problem. Wichtig ist, dass man immer zunächst in die Gebrauchsanweisung schaut oder den Hersteller fragt, bevor man ein anderes Netzteil für ein bestimmtes Pedal verwendet. Würde man nämlich einen Klon Centaur mit 18V betreiben, würde er diese intern auf 36V verdoppeln und dies würde ihn zerstören. Bei den aktuellen Preisen für die Originale wäre das eine überaus ärgerliche Geschichte!

Also gilt: Gut durchdachte Experimente können sich lohnen, aber man sollte vorsichtig sein. Ich selbst fahre den Fulltone OCD auf 18V und meine Bass-Sound dankt. Also, baut keinen Scheiss und lest vorab das Manual!!! Danke Delay Dude.

Nächste Woche geht es weiter mit: ALL YOU NEED IS… Minimalismus?

Quelle: Youtube, Delay Dude

All you need is… of Voltage, Ampere, Batteries and God knows what else on your Pedals!

Die meisten Effektpedale arbeiten mit 9V und viele lassen sich mit einer 9V Blockbatterie betreiben. Aber bei leistungshungrigen Digitaleffekten halten diese Batterien oft nicht lange, oder sie lassen sich gar nicht mehr mit Batterien betreiben. Hier stellt sich oft die Frage, welches Netzteil geeignet ist. Auf Netzteilen sind zwei Werte angegeben: Volt und Ampere...

Seit einiger Zeit befasse ich mich intensiver mit diesem Thema und je mehr ich an meinem Pedalboard schraube, desto mehr entdecke ich neue Details, die mir zuvor nicht wichtig waren und somit keine bis wenig Beachtung bekommen haben. Dabei sind diese Kleinigkeiten so enorm wichtig. Früher verkabelte ich alles ganz einfach gerade aus. Doch da geht einiges vor sich, was beachtet werden muss. Nicht auf gut Glück. Sondern bewusst. Wie versorge ich die Pedale und womit? Was geht zusammen und was nicht? Leidet der Klang darunter? Ich bin zu diesem Thema angefragt worden. Ich denke, dass man es vertiefen sollte. Schauen wir es uns an…

Volt

Wenn bei analogen Effektgeräten der Bedarf von 9V angegeben wird, sollte man ein Netzteil wählen, dass 9V liefert. Zwar haben Pedale oft eine gewisse Toleranz und einige lassen sich mit bis zu 18V betreiben, aber vor dem Gebrauch sollte man in Erfahrung bringen, ob das eigene Schätzchen zu diesen toleranten Pedalen gehört. Vor allem, weil einige Verzerrer intern die Spannung verdoppeln, können 12V mitunter schon zu viel sein.
Im Zweifel vertragen analoge Effekte eher zu wenig Volt als zu viel.
Dies hat dann den gleichen Effekt wie eine fast leere Batterie und manche Netzteile können dies sogar stufenlos einstellen.

Ampere

Bei der Amperezahl gilt das Gegenteilige: das Netzteil sollte immer mehr mA liefern, als das Pedal benötigt. Es ist problemlos möglich einen Verzerrer, der vielleicht 10mA benötigt mit einem Netzteil zu betreiben, das 500mA oder mehr liefert. Das Effektpedal zieht sich dann nur die benötigten mA. Ein digitales Effektgerät, das einen Verbrauch von 250mA angibt, sollte auf keinen Fall mit weniger mA versorgt werden, da es dann Schaden nehmen kann.

Daisy Chain / isoliert

Am besten sollte jedes Effektgerät immer seinen eigenen isolierten Netzteil versorgt werden um brummen oder hochfrequentiertes Fiepen zu vermeiden. Viele der unerwünschten Nebengeräusche eines Pedalboards kommen von einer falschen oder ungenügenden Stromversorgung.
Sollte man nicht genügend Stromanschlüsse haben, ist zu beachten, dass man keine analogen Effektgeräte mit digitalen Effekten in einer Daisy Chain (Mehrfachanschluss an ein Netzteil) anschließt. Hier sind Störgeräusche nicht zu vermeiden. Nutzt man eine Daisy Chain, sollte man lediglich analoge Pedale miteinander verbinden. Aber auch hier ist jedes Effektgerät einzeln zu betrachten. Wenn das Pedal intern die Spannung verdoppelt wie der Klon Centaur, sollte es lieber einen eigenen Stromanschluss gekommen.
Effektgeräte, die eine positive Masse haben – dies ist meist bei Germanium Fuzz Effekten der Fall – benötigen ebenfalls einen eigenen Netzteilanschluss.

Gesamtleistung des Netzteils

Und nicht zuletzt ist zu beachten, dass das Netzteil nicht an seine Leistungsgrenze geht, da sonst Brummgeräusche entstehen können.
Hierfür sollte man am besten immer doppelt so viel mA pro Pedal zu Verfügung haben, als das Pedal benötigt. Dies wirkt sich auch positiv auf den Klang aus.


Wenn man seine Effektgeräte zusammengestellt und die Reihenfolge auf dem Pedalboard festgelegt hat, stellt sich meist die Frage nach der Stromversorgung des Pedalboards. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, auf die ich im Folgenden eingehen möchte. 

Batterien

Kleinere Pedalboards mit 2 bis 3 Effektgeräten lassen sich einfach mit Strom versorgen. Gerade bei analogen Effekten, wie zum Beispiel einem Fuzz oder einem Wah kann man problemlos Batterien benutzen.

Wenn man aber nach der Probe vergisst, das Kabel rauszuziehen, können sich Batterien sehr schnell entladen. Und bei großen Effektboards mit 10 oder mehr Effekten macht es gar keinen Sinn alle Effekte mit Batterien zu versorgen.

Netzteile

In diesem Fall greift man gerne auf Netzteile zurück. Und da fängt das Problem schon an: Wenn man für jedes Effektgerät ein eigenes Netzteil benutzt, braucht man mehrere Stromsteckerleisten, um alle Netzteile anzuschließen. Das ist natürlich unpraktisch und nimmt sehr viel Platz auf dem Board weg. Nun kann man auf das sogenannte „Daisy-Chain“ zurückgreifen. Hiermit werden mehrere Effektpedale mit einem Netzteil betrieben. Dafür eignet sich zum Beispiel das 1Spot Netzteil von Truetone.

Man muss natürlich sicherstellen, dass alle angeschlossenen Effekte die gleiche Spannung (zum Beispiel 9v) und die gleiche Polung des Netzsteckers (Innenpol – Minus, Außenpol – Plus) benötigen. Außerdem sollte das Netzteil genug Strom (Milliampere) liefern , um alle Pedale versorgen zu können.

Aufpassen muss man allerdings, wenn man gleichzeitig digitale UND analoge Pedale verwendet. Hier wird die Spannungsversorgung mit einem “Daisy-Chain”- Kabel zu ungewünschten Nebengeräuschen führen.

Isolierte Netzteile

Besser ist es daher Netzteile zu verwenden, die isolierte Ausgänge haben. Bekannte Anbieter sind zum Beispiel Voodoo LabCioks und Strymon. Hier kann man sicher sein, dass jedes Pedal optimal versorgt wird. Wichtig ist dabei, dass die Spannung nicht überschritten werden darf: ein 9V Effektpedal sollte mit maximal 9V gespeist werden. Die Stromstärke (mA) des Netzteils sollte dem Bedarf des Effektpedals genügen: Ein Pedal, dass z.B. 80 mA benötigt, sollte mit 100 mA oder mehr versorgt werden, da zumindest digitale Effekte ernsthaften Schaden nehmen können, wenn sie mit einer zu geringen Stromstärke betrieben werden.

Modulare Netzteile

Neuerdings gibt es auch eine Art modulares Netzteil. Die Firma Gigrig bietet einzelne Module an, die jeweils individuell zu einem Effektgerät passen. Hiermit können auch Effekte gespeist werden, die zum Beispiel sehr viel Strom benötigen und gleichzeitig einen speziellen Anschluss haben. Es gibt eine Liste, in der die einzelnen Effektgeräte und die dazugehörigen Module aufgelistet werden.

Zum Schluss noch ein Tipp. Die stromführenden Kabel vom Netzteil sollten auf dem Pedalboard immer möglichst weit entfernt von den Audiokabeln geführt werden. Da dies nicht immer möglich ist, sollten sich beide Kabel im rechten Winkel kreuzen, auf keinen Fall parallel verlegt werden. So wird eine Einstreuung minimiert. Wah Pedale sollten ebenfalls entfernt vom Netzteil platziert werden. Die Spule könnte sonst Einstreuungen einfangen. Das gleiche gilt für manche Kompressoren. Danke Delay Dude!

Nächste Woche geht es weiter mit: ALL YOU NEED IS … 9V or 18V?

Quelle: Youtube, Delay Dude